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Landes-Caritasverband für Oldenburg
Montag, 22. März 2010
  Presse-Information
 
Pflege als Plattform für Familiendramen
 
500 Teilnehmer beim Tag der Altenpflege in der Cloppenburger Stadthalle

Cloppenburg. Die tatsächliche körperliche Gewalt sei eher die Ausnahme, sagen die Experten. Viel häufiger käme es dagegen zu Vernachlässigung, Beschämung, Einsperren oder Isolieren heißt es beim 23. Caritas-Tag der Altenpflege. 500 Fachkräfte kamen dazu aus dem Oldenburger Land und angrenzenden Regionen in die Cloppenburger Stadthalle. Eine Zahl von 10 Prozent aller Pflegefälle wird genannt, in denen es zu solchen Formen der Gewalt kommt.

Und noch etwas wird deutlich: Auch die Pflegekräfte werden sowohl in Einrichtungen als auch zu Hause Opfer von Gewalt. „Aggression ist häufig keine Einbahnstraße“, berichtet Gabriele Tammen-Parr, Gründerin und Leiterin der Berliner Beratungsstelle „Pflege in Not, Berlin“.

Wenn es in häuslichen Pflegebeziehungen gewalttätig zugehe, dann nach der Erfahrung Tammen-Parrs aus zwei Gründen: Zum einen komme es häufig zur Überforderung der Pflegekräfte, zum anderen „schwappen unverarbeitete Familiengeschichten nach und alte Kränkungen werden aktuell“. So könne die Pflege zu einer „Plattform für Familiendramen werden“.

Auch das idyllische Bild der immer gütigen Großmutter ergänzte Tammen-Parr: Ältere Menschen könnten auch „Biester sein, vorwurfsvoll und nicht gerecht.“

Als Tipp gab Tammen-Parr pflegenden Angehörigen, das Thema Gewalt in der Pflege öffentlich zu machen, statt sich zu schämen. „Aggressionen gehören zum Pflegeprozess dazu“, sagte die Berliner Expertin. Weiter empfahl sie, darüber zu sprechen oder im Extremfall „aus der Situation rauszugehen“.

Pflegekräften in Einrichtungen riet Prof. Hirsch, eine Stunde in der Woche über die Arbeit zu reflektieren und mögliche strukturelle Probleme mit Vorgesetzten zu klären. Grundsätzlich müssten Altenpfleger seiner Meinung nach allerdings politischer werden.

Als „Skandal“ bezeichnete es Prof. Hirsch, Chefarzt im Gerontopsychiatrischen Zentrum Bonn, wie in Deutschland mit Pflegekräften umgegangen werde. Ebenfalls sehr kritisch sieht Hirsch eine Zunahme von Patienten-Fixierungen von 1998 (40.337) im Vergleich zu 2008 (98.823).

Der Appell der Veranstalter: Die Hilfe von Fachleuten und Einrichtungen in Anspruch nehmen. Denn die Pflege sei eine Kunst. Viele träten gerade im häuslichen Bereich voller Engagement an ihre Aufgabe und spürten aber bald ihre Grenzen. Im Pflegeprozess niemanden zu verurteilen, sondern zu unterstützen: Dazu appellierte Tammen-Parr aus Berlin.

Zitat : „Ich wusste nicht, dass ich so hassen kann“
Aussage einer Anruferin bei der Berliner Beratungsstelle „Pflege in Not Berlin“

Pflege ist eine Kunst
Prof. Dr. Dr. Hirsch und Gabriele Tammen-Parr

Dietmar Kattinger
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 04441 / 8707 640


 
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