Cloppenburg-Stapelfeld. V or den Folgen demographischer Veränderung hat der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Prof. Dr. Norbert Walter, am Mittwoch, 2. Juni, beim 3. Abend der Caritas in Cloppenburg-Stapelfeld gewarnt.
Insgesamt werde die deutsche Bevölkerung in den nächsten 30 Jahren um ein Fünftel abnehmen. Eine der Ursachen ist der Rückgang der Kinderzahlen in Deutschland. „Hier sind wir auf einer schiefen Ebene.“ So seien 40 Prozent der akademisch gebildeten Männer und 35 Prozent der Frauen heute kinderlos.
Ein weiterer Grund sei, dass die Bundesrepublik seit drei Jahren einen „Auswandererüberschuss“ habe. Wer glaube, dass dies für den Arbeitsmarkt gut sei, täusche sich.
Um die Einnahmenseite zu verbessern, wird es in Deutschland eine Mautgebühr für Pkw geben, sagte Walter vor rund 100 Gästen aus Politik, Kirche und Wirtschaft. „Gleichzeitig müssen wir Subventionen streichen, die manchen Leuten heilige Kühe sind.“
Eines der „dramatisch zunehmenden Probleme“ werde der um das sechsfache zunehmende Faktor der zu Betreuenden bei gleichzeitigem Steigen der Lebenserwartung sein. Walter: „Die Bürgermeister werden nicht mehr alle über 100-Jährigen besuchen können.“
Die hohe Zahl der zu erwartenden Demenzkranken werden seiner Prognose nach durch Personen aus Osteuropa betreut werden. Eine Lösung für den Medizinermangel sieht Walter in Ärzten, die aus dem Iran nach Deutschland kommen. Walters grundsätzliche Kritik allerdings: Die Gesellschaft schaue bei diesem Problem weg.
Der Therapievorschlag des Referenten: Die Wochenarbeitszeit erhöhen, die Lebensarbeitszeit vor 2029 auf 67 anheben und die tägliche Verweildauer vor dem Fernseher von 4 Stunden und 16 Minuten halbieren.
Zur katholischen Kirche sagte der Volkswirt, dass sie „in vielen Feldern der Gesellschaft Außergewöhnliches leiste. Walter: „Wir trauen uns das nur gar nicht mehr zu sagen.“
Die Zustimmung zur Kirche befinde sich in einer Art Lähmung. „Wir werden alle Klugheit der Welt brauchen, dies aufzuhalten und die Werte, die die Kirchen und ihre Einrichtungen als Werte haben, wieder als solche zu etablieren“, formulierte Walter, der Mitglied im Zentralkomitee Deutscher Katholiken sowie im Bund Katholischer Unternehmer ist.
Dietmar Kattinger
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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