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Stand: 22.01.2019

Pressemitteilung

Beteiligung, Ehrlichkeit und gegenseitiger Respekt

Vechta, 25.10.
„Was die Welt im Innersten zusammenhält“ – unter diesem Motto hatte der Landes-Caritasverband Oldenburg am 22. Oktober zu einem Diskussionsabend in die neue Mensa der Universität eingeladen. Die von der Bürgerstiftung Vechta geförderte Veranstaltung stand im Rahmen der Caritas-Kampagne „Wir sind größer als ich“. So theoretisch das alles auch klingen mag, die Brisanz des Themas wurde schon in den Grußworten von Prof. Dr. Martin Pohlmann, stellv. Direktor des Landes-Caritasverbandes Oldenburg, und Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt klar. Der gesellschaftliche Zusammenhalt befinde sich im Wandel. Moralische Schranken würden bewusst gebrochen, die Welt werde egoistischer, Formen von Nationalismus entstünden und die komplizierter werdende Welt werde in kurze Twitter-Botschaften gepresst, beschrieb es Pohlmann. Eine ähnliche Bewertung gab auch Unipräsident Schmidt ab. Das Motto des Abends sei wichtiger denn je, sagte er. Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland habe große Risse bekommen. Der Caritas dankte er daher sehr dafür, dass sie dieses Thema aufgreife.

Zum Einstieg stellte Andreas Grau von der Bertelsmann-Stiftung Gütersloh die Ergebnisse aktueller Studien über gesellschaftlichen Zusammenhalt vor. Gesellschaftlichen Wandel habe es immer gegeben, sagte Grau. Zurzeit geschehe er aber in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Maßgebliche Faktoren seien die Globalisierung, die Digitalisierung und der demographische Wandel. Die Gesellschaft werde vielfältiger. „Wir müssen daher Personen mit anderen Wertvorstellungen und Lebensweisen als gleichberechtigt sehen,“ betonte er. In Umfragen würden 75 Prozent der Befragten den Zusammenhalt in der Gesellschaft als gefährdet bewerten. In ihrer eigenen Umgebung beschreiben ihn aber 68 Prozent als intakt. Dieser Wiederspruch, so Grau, erkläre sich vielfach durch mediale Prägung. Der Zusammenhalt, so hatten es die Studien ergeben, sei umso stärker, je wohlhabender das Gemeinwesen und je geringer das Armutsrisiko, das Durchschnittsalter und die soziale Ungleichheit sei. Für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts bedürfe es guter Information und Beteiligung durch Politik und Verwaltung, Begegnung, Kontakt und Dialog der Bürger untereinander und ehrenamtlichen Engagements. 

Für die Integration von Flüchtlingen, fairen Umgang miteinander und Offenheit im Dialog warben anschließend auch die Teilnehmer der Podiumsrunde unter Moderation von Anja Muhle. Ulla Kampers, die mit ihrem Mann die Lohner Firma Nordluft leitet, berichtete von positiven Erfahrungen mit Flüchtlingen, die sie 2015 zur Ausbildung aufgenommen hatten. Und sie warb um Nachahmer. Den gesellschaftlichen Zusammenhalt sah sie im wirtschaftsstarken Südoldenburg noch recht stabil.

Für ihre private Umgebung konnte das auch die Journalistin Barbara Wagner bestätigen. In ihrem Heimatort Mühlen betreibt sie mit ihrem Mann eine Agentur für Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung, Marketing und Kommunikation. Ihre Kunden kommen aus der Wirtschaft und dem Sport. Anders als im kleinen Mühlen, wo sich Wagner als ehemalige Leistungssportlerin ehrenamtlich im Sport engagiert, nehme sie im Umfeld großer Fußballclubs auch Rassismus und Ausgrenzung wahr. Sport habe aber eine große integrative Kraft. Für Vertrauen und offenen Umgang brauche es Ehrlichkeit und Transparenz, erklärte sie. Und keine Fake News.
Pfarrer Heiner Zumdohme erzählte vom Umbruch in der Kirche, dem Vertrauensverlust ihr gegenüber und der Suche nach neuen Strukturen. Durch Arbeitsmigration würden zudem viele traditionelle Familienstrukturen zerfallen. Das spüre er auch in der Seelsorge. Dringend warb er für eine offene Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Deutschland brauche sie dringend als Arbeitskräfte z.B. in der Pflege und in den Krankenhäusern.

Ludger Heuer

Foto (Heuer): Podiumsrunde mit v.l. Andreas Grau, Ulla Kampers, Barbara Wagner, Pfr. Heiner Zumdohme und Moderatorin Anja Muhle

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