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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

Jahresbericht 2017

Caritas mahnt: Hebammen fehlen im gesamten Oldenburger Land

Delmenhorst / Oldenburger Land (LCV) 60 Prozent ihrer Klientinnen klagen darüber, in Delmenhorst keine Hebamme für die Nachsorge im Anschluss an die Geburt ihres Kindes zu finden. Das berichtet die Beraterin für Fragen rund um eine Schwangerschaft beim Caritasverband Delmenhorst, Ruth Bock-Janik. Auch ein Platz in einem Geburtsvorbereitungskurs sei "nur schwer zu ergattern", weiß die erfahrene Beraterin.

Damit stimmt sie mit den Erfahrungen an allen 13 Standorten im Oldenburger Land überein, berichte die zuständige Referentin für Fragen zur Schwangerschaft beim Landes-Caritasverband, Rita Schute. "Eine flächendeckende Versorgung mit Hebammen ist nicht mehr gegeben", so ihr Fazit. Teilweise versuche die Caritas dies aufzufangen durch Kurse wie "ElternWerden - ElternSein".

Bedingt durch den Rückgang des Flüchtlingsstroms seien im Oldenburger Land 2017 mit 2438 Frauen zwar acht Prozent weniger Klientinnen in die Einrichtungen gekommen, aber immer noch 100 mehr als im Jahr 2015.

Als häufigsten Grund für das Aufsuchen der Stelle hätten die werdenden Mütter finanzielle Schwierigkeiten genannt. Entsprechend wurden durch die Beratungsstellen für knapp 1.500 Anträge 740.000 Euro aus Mitteln der Bundesstiftung "Mutter und Kind" weitergeleitet sowie weitere 80.000 Euro aus kirchlichen und kirchnahen Stiftungen.

Belastend sei weiterhin das immer stärker abnehmende soziale Umfeld aus Familie und Freunden, so Schute. 55 Prozent aller Klientinnen in den katholischen Einrichtungen zwischen der Nordsee und den Dammer Bergen hatten darüber hinaus keinen Berufsabschluss. 47 von hundert keine deutsche Staatsangehörigkeit.

Eine Zahl, die mit 57 Prozent in Delmenhorst sogar über dem oldenburgischen Durchschnitt liege, so Bock-Janik. Aus Rumänien oder Syrien kommend sei gerade Erstgebärenden das deutsche Sozialsystem häufig völlig unbekannt.

Per Übersetzer werde dann informiert, wann die Frau sich im Krankenhaus anmelden muss, wann ihr Mutterschutz beginne und wie lange er dauere. "Informationen, die den werdenden Müttern Sicherheit geben", so Bock-Janik.

"Manchmal übernehmen wir einen regelrechten Lotsendienst", sagt die Beraterin. Hin zur Wohnungsbaugesellschaft etwa. Oder zur Migrationsberatung im eigenen Hause, wenn es beispielsweise um die Anerkennung des erlernten Berufes der Krankenschwester in Rumänien geht. Und das bei Klientinnen, die gerade mal 14 und schon schwanger sind oder auch 46 und ebenfalls schwanger wurden. Stark ausgebaut worden sei in Delmenhorst die aufklärende, sexualpädagogische Arbeit mit Heranwachsenden.

Ihr grundsätzliches Anliegen: Den Frauen Mut zu machen und auch hinter die Türe zu schauen. "Denn die Frage nach finanzieller Unterstützung ist oft nur die Türöffner für Sorgen, die an der Seele nagen", sagt die Delmenhorster Expertin. Ihr Anliegen daher: "Den ganzen Menschen sehen."

Beratungsstellen rund um das Thema Schwangerschaft gibt es in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen in Cloppenburg (Außenstellen: Barßel, Friesoythe, Löningen), Oldenburg und Vechta (Außenstelle: Damme). Die Caritas unterhält Stellen in Delmenhorst, Nordenham (Außenstelle: Brake) und Wilhelmshaven (Außenstellen: Varel, Schortens). Weitere Infos unter www.lcv-oldenburg.de.

 Weitere Infos:

  • Die Beratung rund um Fragen der Schwangerschaft erfolgt kostenfrei und unabhängig von Nation und Religion.
  • Auf Wunsch auch anonym.
  • Sie ist möglich mit dem Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes.
  • Beratungsanlässe können beispielsweise sein: vor, während und nach pränataler Diagnostik; nach einem Schwangerschaftsabbruch; nach einer Fehlgeburt
  • Es gibt das Angebot von sexualpädagogischen Kursen
  • Weitere Infos: Rita Schute, Landes-Caritasverband, Tel. 04441/8707-0.
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