URL: www.lcv-oldenburg.de/aktuelles/presse/damit-sexualitaet-nicht-missbraucht-wird
Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

Altenhilfe

Damit Sexualität nicht missbraucht wird

Cloppenburg-Stapelfeld / Oldenburger Land (LCV) Ein individuelles Schutzkonzept zur Verhinderung von sexualisierter Gewalt zu erarbeiten: Dazu hat der Landes-Caritasverband für Oldenburg am Dienstag, 27. Februar, alle ihm angeschlossenen Einrichtungen und Dienste im Bereich der Altenhilfe aufgerufen.

Durch eine "Kultur der Achtsamkeit" gehe es darum, Übergriffe von Mitarbeitern auf Bewohner, aber auch von Bewohnern auf Mitarbeitende zu verhindern, machte Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe in seiner Begrüßung in der Katholischen Akademie Stapelfeld deutlich.

Unglaubliche Ereignisse

Konsequenz daraus sei die Schulung aller Mitarbeitenden zu diesem Thema sowie die Benennung einer Präventionsbeauftragten, erläuterte Caritas-Pflegereferent Horst Geers.

Ereignisse rund um das Thema sexuelle Gewalt ansprechen: Das rät der Präventionsexperte Stefan Freck vom Erzbistum Köln sowohl Leitern als auch Mitarbeitenden in der Altenhilfe. So hätten einem aktuellen Bericht des SPIEGEL zu Folge Pflegekräfte gefilmt, wie sich eine unbekleidete 78-jährige demente Frau mit der Toilettenbürste gekratzt habe. Die Sequenz habe unter den Mitarbeitenden die Runde gemacht.

Keine sexualisierte Gewalt in Caritas-Einrichtungen

Einer anderen Bewohnerin habe man ein Glas Urin zu trinken gegeben. Eine von drei Pflegekräften, die eine Person getötet hatten, sei bereits über viele Jahre in der Einrichtung tätig gewesen, nannte Freck Extrembeispiele.

Sein Rat: "Den Satz ‚Der Pfleger kommt mir zu nah‘ einer Altenheimbewohnerin, kann man abtun." Man könne dem aber auch nachgehen und fragen, wie die Dame das meine. Freck: "Ziel muss sein, dass keinem der uns anvertrauten Menschen sexualisierte Gewalt geschieht."

20 Prozent betroffen

Wichtig sei allerdings auch, unterscheiden zu lernen, ob es sich um lebensfördernde Sexualität im Einverständnis zweier Personen handele oder um Machtmissbrauch. "Geschieht es einvernehmlich, wenn sich die demente Frau Müller regelmäßig mit Herrn Maier trifft?" fragte Freck. Eine Unterscheidung, die nicht immer leicht falle.

Zu bedenken sei weiterhin, dass 20 Prozent aller Bundesbürger Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt hinter sich haben, berichtete der Referent. Gleich ob im Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenalter. "In jeder Schulung brechen Menschen in Tränen aus und verlassen den Raum", so der Referent.

Opfer leben heute in den Heimen

Ein weiterer Hinweis: Frauen, die in Kriegszeiten vergewaltigt worden sind, leben genau in diesen Jahren in den Einrichtungen der Altenhilfe. Auch Täter würden alt und irgendwann in Heime ziehen, machte Freck den rund 50 Vertretern aller oldenburgischen katholischen Pflegeeinrichtungen klar.

Dass das Thema immer  wichtiger werde in Anbetracht von Personalknappheit und Vorschlägen, wonach "doch jeder pflegen kann", betonte eine Teilnehmerin.

Schon Bemerkungen sind inakzeptabel

Im Bistum Münster zählen bereits Grenzverletzungen zu sexueller Gewalt, betonte Frank Tönnies, Geschäftsführer der "Katholische Freiwilligendienste GmbH" im Offizialat. So sei es beispielsweise nicht hinnehmbar, dass ein Gruppenleiter ohne anzuklopfen das Zimmer von jugendlichen Teilnehmern betrete. Auch anzügliche Bemerkungen seien nicht akzeptabel. Weil jeder Mensch ein Abbild Gottes sei,  stehen Präventionsschulungen selbstverständlich in der Tradition des Sendungsauftrages der Kirche, machte Tönnies klar.

Die Erstellung eines Konzeptes in Altenheimen oder Sozialstationen erläuterte Sabrina Hansen (Katholische Freiwilligendienste im Oldenburger Land, Vechta). Weitere Infos beim Landes-Caritasverband, Horst Geers, Tel. 04441/8707-0.

Dietmar Kattinger, 28.02.2018

Copyright: © caritas  2018