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Stand: 22.01.2019

Pressemitteilung

„Die Trauer soll ihr Freund werden“

Das Thema Tod möglichst früh und vorbeugend bei Kindern ansprechen: Dazu hat Psychologin Cecile Droste zu Vischering am Dienstag, 11. Juni, aufgerufen. Dabei müssten die pädagogischen Fachkräfte keine Experten sein, sagte sie beim zweiten Fachtag vor 130 Erzieherinnen von acht Lohner Kindertagesstätten zum ‚Umgang mit Trauer und Tod‘.


Wichtig sei, sich den eigenen Fragen zu Verlust und Abschied gestellt zu haben. Fehler, die Kindern gegenüber gemacht werden könnten, seien "Ängste weiter zu geben, zu lügen und weg zu trösten", gab die Expertin im Lohner Pfarrheim St. Josef zu bedenken. 


Wer wisse, dass das Leben endlich ist, entwickle hingegen eine ganz andere Wertschätzung dafür. "Sonst ist es lapidar", mahnte die Referentin. 


Bezüglich des Todes leben junge Menschen in einem Widerspruch, beschrieb die Mutter dreier Kinder. Zwar habe jeder bis zu seinem 20. Lebensjahr rund 1.800 Tote unter anderem im Fernsehen gesehen. In Wirklichkeit aber nur wenige. Ausdrücklich sprach sie sich dagegen aus, "Kinder in Watte zu packen" oder Dinge zu beschönigen. "Sagen Sie nicht ‚Er ist von uns gegangen‘, sondern ‚Er ist tot‘", lautet ihr Rat. 


Gerade im Alter zwischen zwei und vier Jahren könne dies sonst gefährlich sein, weil sich Kinder hier ihre eigenen Phantasiewelten bauen würden. Nicht selten suchten sie die Schuld für einen Todesfall bei sich. 


Auch sprach sich die Referentin gegen den Begriff der "Trauerphase" aus. "Es gibt kein Trauerjahr. Das stimmt nicht." Ein Ehemann habe beispielsweise erst über das verstorbene Kind getrauert, nachdem seine Frau diese Phase überwunden hatte. Eine 80-Jährige konnte erst 60 Jahre später den Verlust ihres ungeborenen Kindes beklagen und beweinen. 


Das "Geschenk der Trauer" stelle vielmehr eine Aufgabe für die Seele dar, so die Referentin. Würde diese nicht erledigt, bleibe die Person in der Trauerphase stecken und könne in späteren Momenten davon übermannt werden. "Die Trauer soll ihr Freund werden." 


Eine Kindestagesstätte könne gleichzeitig eine wertvolle "trauerfreie Zone" sein, in der das Kind nach einem Todesfall in der Familie im Gegensatz zum bedrückenden Elternhaus auch mal albern sein könne. 


Dem Vortrag schlossen sich zehn Workshops an zu Themen wie "Verwaiste Eltern - eine Mutter erzählt", "Eine würdevolle Bestattung" oder "Sterbebegleitung und Tod im Islam". Den Abschluss bildete ein Gottesdienst. Veranstalter war der ‚Sachausschuss Kindergärten‘ der katholischen Pfarrei St. Gertrud in Lohne. Weitere Infos unter www.sankt-gertrud.com.

Dietmar Kattinger
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 04441/8707-640

 

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