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Stand: 22.01.2019

Pressemitteilung

Tag der Altenpflege

Fachkräftemangel in ambulanter Pflege angekommen

Cloppenburg (LCV) Auf einen Fachkräftemangel in der ambulanten Pflege hat am Dienstag, 5. März, der Pflegereferent des Landes-Caritasverbandes, Manfred Bockhorst hingewiesen. So müssten Sozialstationen im Landkreis Cloppenburg inzwischen Anfragen nach Pflege zu Hause auf Grund von fehlendem Personal ablehnen, sagte Bockhorst am Rande des 32. Tages der Altenpflege in der Cloppenburger Stadthalle. 

Solchen Anrufen von Angehörigen seien dann bereits vier bis fünf vergebliche Telefonate bei anderen Pflegediensten vorausgegangen. Die Folge, so Bockhorst, dass die Patienten in stationären Einrichtungen gepflegt werden müssten, was wiederum zu einer hohen Auslastung der Altenheime führen würde, so der Pflegeexperte. 

Nur 15 Prozent zahlen nach Tarif

Kritik an der Unterfinanzierung der ambulanten Pflege äußerte Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe in seiner Begrüßung der rund 350 überwiegend weiblichen Teilnehmenden. Kranken- und Pflegekassen müssten sich außerdem "ihrer Pflicht bewusst werden, den Pflegeeinrichtungen alle tatsächlichen Kosten zu erstatten." Tepe kritisierte darüber hinaus, dass nur 15 Prozent der ambulanten Pflegedienste in Niedersachsen ihre Mitarbeitenden nach Tarif bezahlen würden. 

"Sprachkurse in der Pflege" hat der frühere Hildesheimer Caritasdirektor Dr. Hans-Jürgen Marcus gefordert. Nötig seien Vereinbarungen darüber, wie in Deutschland über die und innerhalb der Altenpflege gesprochen werde. Nur so könne ein anderes Image der Pflege entstehen. 

"Eher depressiv"

Mitarbeitende der Einrichtungen seien häufig "keine Stimmungskanonen, sondern eher etwas depressiv, oft genug resignativ", bedauerte der Referent. Das Selbstbewusstsein der Pflege strahle jedoch von innen nach außen. 

Daher sei es falsch, so Dr. Marcus, sich bei gleichnamigen Flashmobs auf den Boden zu legen. Vielmehr müssten sich Pflegekräfte zu Hunderten auf die Bühne stellen und  Redezeiten einfordern, wenn über ihre Arbeit gesprochen werde. Stattdessen fänden sich dort nur Mediziner, Juristen und andere promovierte Personen, "aber keine Pflegekräfte", monierte Marcus, der inzwischen Führungskräfte berät.

Beispiel Alexander Jorde
Nötig sei ein Selbstbewusstsein wie das des Auszubildenden Alexander Jorde, der 2017 während einer Fernsehsendung Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Missstände in der Pflege aufmerksam gemacht hat.
Über Chancen für die Altenpflege durch Digitalisierung hat der Unternehmer Frank Hüttemann (Siegen) gesprochen. 


Dietmar Kattinger, 05.03.2019

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