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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

"Familie" als trojanisches Pferd

Cloppenburg-Stapelfeld (LCV). Rechtspopulismus steht der biblischen Botschaft diametral entgegen. Das hat die Osnabrücker Theologin Dr. Sonja Strube am Donnerstag, 10. August, betont. Kern des christlichen Menschenbildes sei vielmehr die Gottebenbildlichkeit eines Jeden.

Rechte Gruppen bemühten sich häufig darum, sich ein bürgerliches Image zu geben, sagte die Privatdozentin im Rahmen der Veranstaltung "Familienschutz als Einflugschneise" des Landes-Caritasverbandes.

Über Familie als "weichem und emotionalem" Thema, das jeden betreffe, versuche man sich ein "flächendeckendes Make-up aufzutragen" und die Diskurshoheit zu erreichen, so die Referentin in der Katholischen Akademie Stapelfeld. Gleichzeitig würden sich harmlos klingende Gruppen mit rechtsextremen Zusammenschlüssen vernetzen.

Das Familienthema sei anschlussfähig an eine völkische Ideologie, beschrieb Strube weiter. Über Aussagen wie "Abtreibung ist der eigentliche Holocaust" oder Worte wie "Babycaust" bewege man sich auf dem Weg zur Leugnung des Holocaust. Ein weiterer Schritt sei die Infragestellung der Demokratie.

Über Begriffe wie "Kultur des Lebens", "Kultur des Todes" oder "Wider den Relativismus" nehme man sprachlich Anleihe bei den Päpsten Johannes Paul II. oder Benedikt XVI.. Für Strube "strategisch bewusst gesetzte Begriffe", um ebenfalls ein bürgerliches Image auf zu bauen. Strategien, die gleichzeitig eine "Beißhemmung" auslösen würden im Sinne von  ‚Wer den Papst zitiert, kann doch nichts Böses im Schilde führen‘, sagte die Referentin.

Ein ebenfalls begangener Weg sei der Aufbau von Schreckgespenstern wie ‚Gender-Terror‘ oder ‚Frühsexualisierung‘, an denen man sich dann selbst wiederum abarbeite. Ein weiteres Phänomen: Kirchlich äußerst konservative Gruppen würden von extrem rechten Gruppen unterwandert. Strube: "Die betroffenen Gruppen wehren sich nicht deutlich dagegen."

Rechtsextreme Gruppen seien an ihrem Namen häufig nicht erkennbar, berichtete die Theologin. Nicht selten würden in dem Milieu aktive Personen bis zu zehn unterschiedliche Initiativen ins Leben rufen, in deren Gremien nicht selten Verwandte oder auch immer die gleichen Personen zu finden seien. Dadurch wolle man den Eindruck erwecken, dass das Gedankengut von einer breiten Menge getragen werde.

Studien belegten, so die Autorin zahlreicher Bücher, dass rechtextreme Einstellungen in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden seien.

Dietmar Kattinger, 11.08.2017  

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