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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

"Kennen Sie einen Armen?"

Vechta / Niedersachsen (LCV). Die Frage nach einem katholischen Profil erschöpfe sich nicht in Zeichen, sondern berühre die Substanz einer Einrichtung, sagte der frühere Hildesheimer Caritasdirektor Dr. Hans-Jürgen Marcus (Hildesheim). "Sie zeigt sich beispielsweise darin, ob wir leidenschaftlich unterwegs sind", machte er deutlich am Mittwoch, 6. Juni, bei der diesjährigen Jahrestagung der "Katholischen Jugendsozialarbeit Nord" im Antoniushaus Vechta.

Katholisches Profil werde weiter dadurch sichtbar, welche jungen Menschen beispielsweise in Jugendwerkstätten aufgenommen würden. "Sind wir bereit, auch schwierige Jugendliche aufzunehmen, die Kraft kosten?" fragte Marcus die rund 50 Zuhörer aus Norddeutschland. Stattdessen bemerke er nicht selten Müdigkeit und Erschöpfung bei den Engagierten.

Der heute bundesweit tätige Trainer von kirchlichen Führungskräften stellte weiter eine "mentale Immobilienverliebtheit" in den Bistümern fest. Ihm fehle dagegen das Kümmern um die neue, breite Bevölkerungsschicht, die ständig mobil sei.

In seiner Analyse der Lage bemerke er in den Einrichtungen nicht selten eine "Kultur der Rivalität im Großen und Kleinen". Statt Kooperationen zu schließen, trete man in den Wettbewerb mit der Erlebnisgesellschaft.

Als Caritasdirektor habe er die Bewerber in Einstellungsgesprächen häufig gefragt: "Kennen Sie einen Armen?" Wichtiger als die, was die Kirche sei, schließe er sich Papst Franziskus an mit der Frage "Wo ist die Kirche?".

Die Menschen seien heute "Freiheitskünstler". Marcus: "Mit einer Sozialform allein werden wir sie nicht mehr erreichen." Es brauche ein Begegnungsangebot, das offen und plural sei. So sei die Jugendsozialarbeit ein Lebensort von Kirche. Den Einrichtungen riet er die Rückbesinnung auf ihre Kernkompetenzen "Beten und das Tun der Gerechtigkeit".
"Es kommt darauf an, verwurzelt zu sein in einem größeren Zusammenhang und über die innere Kraft zu verfügen, die uns trägt", so der Rat des Referenten.

Zur Arbeitsgemeinschaft gehören rund 100 Einrichtungen, die pro Jahr 5.000 Jugendliche betreuen und 250 Mitarbeitende beschäftigen.

Dietmar Kattinger, 08.06.2018

 

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