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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

Migrationsexperte: "Deutschland ist wieder Einwanderungsland"

Cloppenburg-Stapelfeld / Hannover. Die Landesregierung plant, den Begriff der ‚Integration‘ zu ersetzen durch „den selbstverständlichen Anspruch auf Teilhabe und Partizipation“, kündigte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt am Montag, 4. November, an. Im Blick auf Migranten lehne sie die Unterscheidung von ‚Wir‘ und ‚Ihr‘ ab.

Die Vielfalt der Bürger Niedersachsens solle in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens „wie selbstverständlich mitbedacht werden“, sagte die SPD-Politikerin im Rahmen einer Migrationstagung in Cloppenburg-Stapelfeld vor 90 Zuhörern aus ganz Niedersachsen.

Dass Deutschland „wieder ein Einwanderungsland ist“, hat Marcus Engler vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration in Berlin betont.

Mit 1,3 Millionen Migranten liege Niedersachsen bei insgesamt acht Millionen Einwohnern bundesweit im Mittelfeld. Dabei werde sich der Trend der Zuwanderung in Niedersachsen - wie in Deutschland überhaupt - fortsetzen, prognostizierte Engler. Er rechnet mit einer zehnprozentigen Zunahme. Unter den Zuwanderern wiederum nehme der Anteil der EU-Bürger deutlich zu, sagte der Migrationsexperte.

So kämen inzwischen zwei Drittel aller Zuwanderer aus europäischen Nachbarländern. Habe es 2008 und 2009 ein ‚Zuwanderungs-Minus‘ gegeben, sei die Zahl der Menschen, die nach Deutschland wollten, 2012 auf plus 390.000 angestiegen.

Der an Stammtischen verbreitete „Glaube, dass alle, die kommen, es sich hier nur gemütlich machen wollen, stimmt nicht“, widersprach Engler. „Sozialtourismus ist nur ein Randphänomen.“

Vielmehr habe es eine Polarisierung gegeben: Nach Deutschland kämen einerseits häufig Menschen ohne Ausbildung und andererseits viele mit hohem Bildungsabschluss. Für letztere sei es seit 2008 relativ einfach geworden, in die Bundesrepublik über zu siedeln.

Auf rund 100.000 werde die Zahl der Asylanträge in diesem Jahr vermutlich weiter ansteigen. Engler: „Damit sind wir aber weit entfernt von der Zahl Anfang der 90er Jahre mit über 400.000“, berichtete Engler.

Im Blick auf alle Migranten müsse der Begriff der Willkommenskultur eine „größere und weiter ausgelegte Bedeutung“ bekommen, sagte Rundt . Diese offene Haltung gegenüber den Zuwanderern fange bei den Ausländerbehörden an und ende dort, wo Menschen leben, sagte sie bei ihrem ersten Besuch in der katholischen Akademie Stapelfeld.

„Die Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund werden wir weiter verbessern“, unterstrich Rundt einen Schwerpunkt der Landesregierung. Auf Eltern aus fremden Ländern „wollen wir aktiv zugehen“, sagte Rundt den Migrationsexperten. Berufsabschlüsse und Kompetenzen müssten anerkannt werden, „ganz gleich, wo sie erworben wurden“, betonte die Sozialministerin.

Den Anteil von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund in Verwaltung und Unternehmen zu erhöhen, schilderte sie als weiteren Schritt ihrer Migrationspolitik. Der Anteil an Landesbediensteten mit Migrationshintergrund in Höhe von 8,1 Prozent solle „deutlich erhöht werden“. Wertvolles Potenzial ginge hier derzeit noch verloren.

Weiterentwickelt werden auch die bisherigen 15 „Leitstellen für Integration“ dadurch, dass sie auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte angesiedelt werden sollen, kündigte Rundt an.

Veranstalter der Tagung waren neben der Katholischen Akademie und dem Sozialministerium die Universität Oldenburg, das Deutsche Rote Kreuz in Aurich sowie die oldenburgischen Landesverbände von Diakonie und Caritas.

Dietmar Kattinger
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 04441/8707-640

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