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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

Mit Rollstuhl und Popcorn bei der Premiere

Vechta / Oldenburger Münsterland/ Delmenhorst / Nordenham (LCV). 691 Tage, 17 Treffen und 1284 WhatsApp-Nachrichten: Das ist die Bilanz der Vorbereitung eines Kino-Werbespots zum Thema "Junge Selbsthilfe". Vor über 100 Gästen wurde er am Donnerstag, 6. September, im Vechtaer Kino erstmals gezeigt.

Von der AOK finanziell gefördert wird der 30-Sekünder vom 13. September an zwölf Monate lang auf den Leinwänden von 30 Kinosälen in Cloppenburg, Damme, Delmenhorst, Löningen, Lohne, Nordenham und Vechta laufen.

Einer der 15 jungen Darsteller ist Daniel Dudek. In Vechta geboren und von Geburt an vollständig blind wirbt er bewusst für Selbsthilfe.
Gruppen für Übergewichtige, AIDS-Kranke oder depressive Menschen. Initiativen zu Themen wie ‚Transsexualität‘ oder ‚Türkische Frauen für junge türkische Frauen‘, von denen es in Niedersachsen immer mehr gebe, berichtete Dörte von Kittlitz (Selbsthilfebüro Hannover).

"Blindenvereine sind gut und wichtig", weiß Dudek, der dort selbst Mitglied ist. Aber die Gefahr bestehe, im eigenen Saft zu schmoren. Und es gebe Gruppierungen, in denen das jüngste Mitglied gerade mal 40 sei.

Gut getan habe ihm beispielsweise das Bundestreffen der ‚Jungen Selbsthilfe‘ in Nordwalde bei Münster. "Da wurde man so genommen, wie man ist", sagt er. "Keine dummen Sprüche", wie er sie bei früheren Arbeitgebern auch schon gehört habe. Für ihn eine inklusive Veranstaltung mit Menschen unterschiedlichster Art.

Seit einiger Zeit in eigener Wohnung in Osnabrück lebend, kam ihm die Einladung zum Werbefilm gerade recht. "Selbsthilfe ist für mich nicht nur Stuhlkreis", sagt er. Da gehöre die Planwagenfahrt und das Eis-Essen genauso dazu wie Öffentlichkeitsarbeit. Klar, dass er dafür zehn Stunden Drehzeit auf sich genommen habe bei 30 Grad Hitze. 

Selbsthilfe ist für ihn auch "Motivation, raus ins Leben zu gehen". Ihm war immer klar, "auf die andere Seite vom Tresen zu wollen." Nicht als Behinderter beispielsweise in einer Werkstatt für Gehandicapte zu arbeiten. Sondern so wie jeder andere. Ohne Bevorzugung, ohne Bezuschussung. Ohne Sonderstatus.

Und er hat es geschafft: Seit knapp einem Jahr hat der 29-Jährige eine unbefristete Stelle als Telefonist in Osnabrück. Bei einer Firma, die Kaffeeautomaten verkauft und verleiht.

Und weiß doch, dass er immer auf andere Menschen angewiesen ist. Von einem Vechtaer Bildungsträger unterstützt wurde er auf die freie Stelle in Osnabrück hingewiesen. Schließlich sogar bis zum Vorstellungsgespräch begleitet, ist Dudek dem Mitarbeiter dankbar, der ihm ein Lebens-Coach war und immer noch ist. "Die Kontakte in der Selbsthilfe weiten mein Leben noch einmal", ist er überzeugt.

Weitere Infos: Landes-Caritasverband, Kontakt- und Beratungsstelle Selbsthilfe: 04441/8707-0.

Dietmar Kattinger, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 04441/8707-640

 

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