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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

Infotag rund um's Alter

Müntefering: „Nicht Übergewicht, sondern Alleinsein ist größtes Problem“

Vechta (LCV) Für gerechte Löhne hat sich Franz Müntefering am Samstag, 20. Mai, im Vechtaer Kreishaus ausgesprochen. Das Gefälle zwischen "sittenwidrig hohen Löhnen" einerseits und niedrigen Löhnen andererseits sei ein Zeichen dafür, dass wir einfache Arbeit nicht richtig würdigen, sagte der frühere Bundesarbeits- und -sozialminister im Rahmen des ersten Infotages des Landkreises Vechta zum Thema "Rund um’s Alter".

Man könne nicht die obersten Eliten herausgreifen und mit Millionen Euros vergüten. "Alle müssen eine Chance haben, beschäftigt und anerkannt zu sein", so der heutige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen in Deutschland vor rund 200 Zuhörern.

"Jede Arbeit ist, wenn sie ehrlich gemacht wird,  aller Ehre wert", so der gebürtige Sauerländer, der die niedrigen Löhne in der Pflege oder in Kindertagesstätten kritisierte. "Wenn in den KiTas oder in der Pflege so viele Männer arbeiten würden wie jetzt Frauen, wären die Löhne höher", zeigte sich der Redner überzeugt. "Erziehen und Pflegen ist ebenso wichtig wie Schrauben ans Auto Drehen."

Für schwierig hält der gebürtige Sauerländer den Begriff des ‚Renteneintrittsalters‘. "Das ist eine Phase und kein Stichtag." Vor allem für Männer sei jedoch wichtig, "dass das Leben nach der Berufsphase auch noch Leben ist und nicht nur die Phase, in der man den Tank leerfährt." Man dürfe das Leben nicht danach definieren, ob man berufstätig ist oder nicht. Das Ehrenamt sei hier eine gute Möglichkeit.

Sehr wohl verliere man im Alter an Geschwindigkeit, Kraft, Ausdauer und Koordinierungsfähigkeit. Müntefering: "Das ist normal."

Wenn er gefragt werde, wie alt er sich fühle, gebe er mit ‚77‘ sein tatsächliches Alter an. "Weshalb sollte ich sagen, dass er mich jünger fühle: Ich bin doch nicht schizophren."

Auch werde man mit höherem Alter nicht automatisch vernünftiger. "Vernunft ist keine Frage des Alters." Es gebe vernünftige Junge und unvernünftige Alte. Müntefering: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Vernünftigen das Sagen haben und nicht die Bekloppten."

Im Blick auf die zweite Lebenshälfte seien Ernährung, Bewegung und sozialer Kontakt die drei Elemente, um einen Alterungsprozess gut zu gestalten. Müntefering: "Das größte Problem ist nicht das Übergewicht, sondern das Alleinsein; niemanden zu haben, mit dem man sich austauschen kann." Menschen Gelegenheit zu geben, einander zu begegnen, schrieb er daher Kommunen und Verbänden als Aufgabe ins Stammbuch.

Im Blick auf die Pflege Dementer warnte er Angehörige vor der Haltung "Ich opfere mich für den Betroffenen auf". Wichtig sei vor allem fachlicher Rat. Auch für eine ambulante Betreuung gebe es Grenzen.

"Kreuzworträtsel, Liegestuhl und Pillen" sei im Blick auf eine Demenzerkrankung der falsche Weg. Wichtiger vielmehr: "Bewegung, Bewegung, Bewegung." Sein allgemeiner Rat für alle älteren Menschen ist ein dreifaches "L": "Laufen, lernen und lachen", so der frühere Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzende.

Als "ziemliche Katastrophe" bezeichnete Müntefering die psychiatrische Altersversorgung insbesondere von Hochbetagten in Deutschland. "Da müssen wir uns drum kümmern."

An Ständen informierte darüber hinaus die AOK über Änderungen und Leistungen im Bereich der Pflegekassen. Eine Wohnberatung und Vorstellung seiner Arbeit bot der Seniorenstützpunkt des Landkreises. Rund um die letzten Dinge beim Thema ‚Beerdigung‘ berichteten zwei Bestattungsunternehmen.

Neben einem Konzert des Vokalensembles Marienhain gab es Infos zu Themen wie ‚Vollmachten, Betreuung, Patientenverfügung‘, Gesundheit im Alter‘, Betrugsprävention oder Elternunterhalt.

Im Zelt ‚Kirche am Kreishaus‘ der evangelischen und katholischen Kirche wurden Musik, Lesungen und Meditationen geboten.

Organisatoren waren neben dem Landkreis Vechta: Bischöflich Münstersches Offizialat, Diakonie, evangelisch-lutherischer Kirchenkreis, Palliativstützpunkt Damme sowie der Landes-Caritasverband für Oldenburg.

Zitate:
Der Rat eines früheren Hausarztes: FDH und SED im Hinblick auf ein gesundes Leben: "Friss die Hälfte" und "Sauf ein Drittel".
Franz Müntefering



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