URL: www.lcv-oldenburg.de/aktuelles/presse/ohne-geld-und-ohne-worte
Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

Ohne Geld und ohne Worte

Vechta / Oldenburger Land. "Ja, das Andere war eindeutig wichtiger als das Geld", sagt Yvonne* wie aus der Pistole geschossen. Mit "das Andere" meint die 40-jährige zum Beispiel die Möglichkeit, andere Mütter kennen zu lernen. Als sie vor fast zwei Jahren schwanger wird, klingelt sie beim Sozialdienst katholischer Frauen in Vechta.

"Ich habe damals rund 500 Euro bekommen", erzählt die Frau, die unerkannt bleiben möchte, häppchenweise. Pascal*, ihr heute 13 Monate alter Sohn, war unterwegs. Der Vater ist damals nicht so richtig greifbar und ist es heute auch nicht. Er mache eine Reha und bereite sich auf den beruflichen Wiedereinstieg vor, deutet Yvonne an. Mit Pascal kam damals ihr viertes Kind auf die Welt.

Das Kinderzimmer habe sie von dem Geld einrichten können, schildert die Frau. Und für einen Kinderwagen hätten die Mittel aus der ‚Bundesstiftung Mutter und Kind‘ gereicht. "Aber alles nur gebraucht", schaut sie zurück.

Dass sie von der Beraterin für Schwangerschaftsfragen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Vechta, Melanie Krzemien-Hitzel, rechtliche Dinge erfährt: Dafür ist die Frau ohne Berufsausbildung ebenfalls dankbar. Dinge also, die ihr von Rechts wegen zustehen.

Wie gesagt, aber mehr noch war sie für alles andere dankbar. Dafür, dass sie ins SkF-Mütter-Cafe kommen kann. "Dort habe ich andere Frauen kennengelernt", sagt sie, "und Pascal andere Kinder." Damit "hocke ich nicht immer zu Hause." Oder dass man ihr Leben und ihre Lage beim SkF insgesamt im Blick gehabt hatte und immer noch hat.

Eltern habe sie nicht mehr, erzählt die Mutter. Und weder Freunde noch Verwandte, an die sie sich wenden könnte. Ja doch, drei Geschwister, die gebe es schon, aber zu denen bestehe kein Kontakt.

Damit ist Yvonne eine von 2657 Ratsuchenden, die im letzten Jahr in die sechs katholischen oldenburgischen Beratungsstellen für Fragen zum Thema Schwangerschaft mit den sieben Außenstellen gekommen sind. 13 Prozent oder in absoluten Zahlen 340 Frauen mehr als im Jahr 2015.

Die Steigerung komme exakt durch den Zustrom von Frauen mit Fluchthintergrund, erklärt Caritas-Fachberaterin Rita Schute die Zunahme durch Ratsuchende aus dem nicht-europäischen Ausland.

Mit der Folge, dass die Beraterinnen der Caritas in Wilhelmshaven 2016 beispielsweise mit 44 unterschiedlichen Nationen zu tun gehabt hätten.

"Eine extreme Herausforderung", fasst die dortige Caritas-Beraterin Marion dos Santos Sousa zusammen. So seien alle Wilhelmshavener Beratungs-Unterlagen ins Arabische übersetzt worden. Der Zettel für die Terminvereinbarung gar ins Englische, Arabische und in die albanische Sprache, berichtet die Expertin. In einem Falle habe dos Santos Sousa ein Bild gezeichnet, um ihrer Klientin zu vermitteln, was sie meine.

Da die Frau in manchen Ländern anders heiße als ihr Ehemann sei es wichtig, dass auch ihr Name am gemeinsamen Briefkasten stehe, macht die Wilhelmshavener Beraterin deutlich. "Auch nur einen einzigen Termin mit diesen Frauen zu vereinbaren, kann eine Viertelstunde dauern", weiß dos Santos Sousa. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Angelika Koke-Barkam hat sie im letzten Jahr mit 56 Prozent (Rund 250 Ratsuchende) mehr Frauen aus dem Aus- denn aus dem Inland beraten.

Doch auch da sei eine Routine im guten Sinne entstanden. Geholfen habe, dass die Frauen aus Syrien oder den dortigen Nachbarländern sehr zuverlässig seien, was beispielsweise das Bringen von Unterlagen oder Nachweise für Fördergelder anbelange.

Auf diese Weise konnte im Jahre 2015 im Oldenburger Land in 1800 Fällen den Frauen auch finanziell mit einer Summe von insgesamt fast 900.000 Euro geholfen werden, so Schute. Etwa aus Mitteln der Bundesstiftung "Mutter und Kind", den kirchlichen Fördertöpfen "Bischofsfonds", "Tenhumberg-" oder der beim Landes-Caritasverband angesiedelten "Welker-Stiftung". 

Formen der Unterstützung, die für Menschen wie Yvonne eine Hilfe sind. Denn ab dem 20. eines Monats werde ihr Geld knapp, öffnet sie sich immer mehr. Nudeln gebe es fortan häufiger an Stelle von Fleisch. Das Taschengeld für den älteren Sohn müsse dann ausfallen. Und ihr Stoßseufzer ist laut zu hören, als Melanie Krzemien-Hitzel in Aussicht stellt, den Kontakt zu einer Sonderaktion herzustellen: damit Yvonne die 100 Euro bekommt, mit denen sie den Tanzkurs ihres Sohnes bezahlen kann.

Beratungsstellen rund um das Thema Schwangerschaft gibt es in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen in Cloppenburg (Außenstellen: Barßel, Friesoythe, Löningen), Oldenburg und Vechta (Außenstelle: Damme). Die Caritas unterhält Stellen in Delmenhorst, Nordenham (Außenstelle: Brake) und Wilhelmshaven (Außenstellen: Varel, Schortens). Weitere Infos unter www.lcv-oldenburg.de.

Dietmar Kattinger, 19.06.2017

 

Copyright: © caritas  2017