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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

"Schweigen ist die stärkste Waffe der Täter"

Vechta / Oldenburger Land (LCV). "Sexualität wird instrumentalisiert, um Macht auszuüben." So haben Sabrina Hansen und Kerstin Wilken den Kern von sexuellem Missbrauch in der Altenhilfe beschrieben. Selten handelten die Täter spontan. Vielmehr "strategisch, geplant und routiniert", formulierten die Referentinnen am Montag, 24. September, im Vechtaer ‚Haus der Caritas‘.

Oft handle es sich bei den Delinquenten um geschätzte und engagierte Kollegen, so die Mitarbeiterinnen der "Katholischen Freiwilligendienste im Oldenburger Land" (Vechta) vor rund 30 Pflegedienstleiterinnen und Beauftragten für Qualitätsmanagement. Genaue Missbrauchszahlen für den Bereich der Alten- oder auch der Behindertenhilfe lägen nicht vor, so die Expertinnen bei der ersten Präventionsschulung dieser Art von Mitarbeitenden in katholischen Altenheimen.

Strafrechtlich relevante Vergehen würden häufig mit kleinen Grenzüberschreitungen beginnen. Opfer beispielsweise danach ausgewählt, ob sie Angehörige haben oder nicht. Ob ihr Zimmer gegenüber der Schwesternstation oder weiter entfernt liege.

Neben dem eigentlichen Täter gebe es "Mitläufer, verängstigte Mitwisser oder Wegseher", so Hansen. Das Anliegen der Expertinnen daher: "Aus Weg-Sehern Hin-Seher zu machen." Denn jeder Täter brauche eine Institution, in der sein Vergehen möglich sei. Wenn in einer Teambesprechung beispielsweise gesagt würde, dass Pfleger M. immer ohne anzuklopfen in ein Zimmer einer Bewohnerin gehe, sei schon viel geschehen.

Neben dem Gefühl der Entwürdigung würden weibliche Opfer einen Missbrauch beispielsweise aus Angst vor Konsequenzen durch den Täter verschweigen. Diese schüchtern Betroffene nicht selten ein mit Worten wie "Wenn Du das erzählst, dann lassen wir heute Nacht mal die Schmerztabletten weg." Schweigen jedoch sei "die stärkste Waffe der Täter".

In Verdachtsfällen gelte es, Ruhe zu bewahren und nicht überstürzt zu handeln. Wichtig zu beachten sei darüber hinaus, dass Sexualität ein vitales Bedürfnis bis ins hohe Alter darstelle. Das Pflegepersonal müsse unterscheiden, ob ein Ausleben von beiden Seiten gewollt sei oder ob es sich um sexuelle Übergriffe handle.

Infos zu weiteren Schulungen: Landes-Caritasverband, Horst Geers, Tel. 04441/8707-0.

Dietmar Kattinger, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 04441/8707-640

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