Lohne (LCV) Junge Menschen wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken: Dazu hat am Dienstag, 25. November, der Autor und Hochschullehrer Dr. Sebastian Kurtenbach (Münster) aufgerufen. "Die Alternde Gesellschaft ist weder kindgerecht, noch gerecht zum Kind", kritisierte er im Gymnasium Lohne vor rund 200 Zuhörenden.
So habe es sich die Bundesrepublik erlaubt, in der Corona-Zeit die Fußball-Stadien noch vor den Kindertagesstätten wieder zu öffnen. Kurtenbach: "Die Interessen der Kinder sind aus dem Blick geraten."
Auch Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe kritisierte, dass die Bedürfnisse von Kindern oft übersehen würden "gerade dort, wo Armut, Migration oder institutionelle Ausgrenzung zusammentreffen". Ein "Weiter-So" dürfe es nicht geben.
Deutschland befindet sich nach den Worten Kurtenbachs in einer demographischen Schieflage: Es gebe doppelt so viele 60- wie 6-Jährige, mehr Großeltern als Enkel. Auch in der Demokratie habe sich etwas verschoben: 58 Prozent der Wahlberechtigten seien 50 Jahre und älter.
Die Ergebnisse der Pisa-Studie 2024 seien eine "Katastrophe" gewesen, Bildung im letzten Wahlkampf als Thema jedoch nicht vorgekommen. Kurtenbach: "Das zeigt, dass wir die Interessen der Eltern nicht mehr ernst nehmen." Kinder seien in einer "strukturell prekären Situation", weil Ende des Jahrzehnts zwei Drittel der Staatsausgaben für Rente und Rüstung verwendet würden.
Weiter wies der Buchautor darauf hin, dass jährlich 50.000 Kinder die Schulen ohne Abschluss verließen. "Das können wir uns in der alternden Gesellschaft nicht mehr leisten. Wir brauchen alle", so der Professor für Politikwissenschaft und Sozialpolitik.
Als Lösung schlug Kurte unter anderem vor, die Bildungseinrichtungen zu "multifunktionalen Orten" zu machen. "Das, was schon da ist, um die Kinder herum organisieren." So könne die Feuerwehr am Dienstagnachmittag etwas anbieten, die Bücherei am Mittwoch.
Den "Schatz der alternden Gesellschaft heben" empfahl der Referent ebenso wie die Einrichtung von Zukunftsräten. Solche Gremien, zusammengesetzt aus Zehn- bis 35-Jährigen, könnten einem Stadtrat oder Landtag zur Seite gestellt werden.
Sie hätten die Kompetenz, vor Entscheidungen eine Stellungnahme zu erarbeiten. Das beschlussfassende Gremium müsste sich öffentlich dazu verhalten, behalte jedoch weiterhin die Entscheidungskompetenz.
Zu einer "Lust auf Vielfalt", ermutigte Heike Bornhorst in einem anschließenden Podiumsgespräch. Zentral sei, "das Kind zu sehen und nicht die Nationalität", ermutigte die Leiterin der Kindertagesstätte Sonnenland in Neuenkirchen-Vörden.
Damit, dass manche Kinder im Grunde schon von Geburt an abgehängt seien, dürfe sich eine Gesellschaft nie abfinden, appellierte der Vechtaer Landrat Tobias Gerdesmeyer. "Das treibt mich enorm um." Unter anderem könne er sich einen Kindergipfel im Landkreis Vechta im kommenden Jahr vorstellen.
Räume auch außerhalb der Schule anzubieten, stellte die Vorsitzende des Bundes deutscher Katholischer Jugend im Oldenburger Land, Anna Lübbe, als wichtiges Ziel ihres Verbandes vor. Beispielsweise bei Jugendfreizeiten. Auch wolle sie mit ihrem Verband weiterhin Demokratie vorleben.
Dass sie viele von Angst geprägte junge Familien erlebe, berichtete Manuela Pille vom Sozialdienst katholischer Frauen in Vechta. Diese Furcht übertrage sich auf die Kinder. Eltern seien nicht selten so mit sich selbst beschäftigt, dass sie die Kleinen vergessen. Wertvoll seien Familienpatinnen, die Gelassenheit in die Familien trügen im Sinne von "Das wird schon".
Veranstalter war der Landes-Caritasverband für Oldenburg. Weitere Infos: Dietmar Fangmann, Tel. 04441/8707-0.
Pressemitteilung
„Wir brauchen alle“
Erschienen am:
26.11.2025
Beschreibung