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Stand: 22.01.2019

Pressemitteilung

Caritas

Schulnoten in Altenheimen haben ausgedient

Vechta / Oldenburger Land (LCV) Eigentlich hätten sie zufrieden sein können: Herbert Macke und Ulrike Struckmeyer vom Vechtaer Hedwig-Stift. Hatten der Pflegedienstleiter und die Verantwortliche für Qualitätsfragen für ihre insgesamt vier Altenheime doch - wie ganz viele andere Einrichtungen ebenfalls - Traumnoten zwischen ‚1‘ und -wenn’s mal schlecht lief - ‚1,5‘. 

Waren sie aber nicht. "Diese Noten waren nicht aussagekräftig", sind die beiden zutiefst überzeugt. "Dem 40-jährigen Sohn, der einen Heimplatz für seine Mutter gesucht hat, haben diese Zensuren im Grunde nicht geholfen." 

Bisher: Note '1' oder Note '5'

Bisher war es so: Hatte eine Altenpflegerin das Risiko einer Sturzgefahr anhand einer Checkliste notiert, gab es dafür die Note "eins". Hatte sie jedoch die Checkliste unvollständig oder gar nicht ausgefüllt, gab es bezogen auf diese Frage die Note "fünf". "Bemessen wurde die Dokumentation und nicht das Ergebnis", fasst Macke das bisherige Prinzip zusammen. 

Als eine von 20 Caritas-Pioniereinrichtungen im Oldenburgischen (140 bundesweit) hat sich das Hedwig-Stift daher 2014 auf den Weg einer doppelten Qualitätsprüfung gemacht. 

Herbst 2019: Alle müssen umstellen

Das System, nach dem ab Oktober 2019 alle Altenpflegeheime in Deutschland geprüft werden, funktioniert so: Im Frühjahr und Herbst beispielsweise werden alle 253 Bewohner der Vechtaer Hedwig-Stiftung jeweils 15 Minuten lang begutachtet. Macht 3795 Minuten für alle Senioren in den Stiftungs-Standorten in Visbek und Goldenstedt sowie den beiden in Vechta. Ergebnisse, die von einem neutralen Institut anonym ausgewertet werden. 

Erfasst wird dann beispielsweise, dass in einer Einrichtung mit  56 Bewohnern 28 sturzgefährdet sind, aber nur zwei im letzten Jahr tatsächlich gefallen. Macht 7,1 Prozent. Im Bundesdurschnitt liegt der Wert bei 6,9. Also leicht über dem Bundesdurchschnitt. 

Aus Fehlern lernen

Läge der Wert aller Gestürzten bei 15 Prozent, könnte das Heim diesen Schwachpunkt seiner Arbeit analysieren: "Ist unsere Beleuchtung zu schlecht? Liegt es am Fußbodenbelag? Bekommt der Hochbetagte zu viele Tabletten oder wurde er von einem Mitbewohner geschubst?" 

Großer Vorteil für Herbert Macke: Erfolge genauso wie  Schwachstellen könnten innerhalb der Standorte und Stationen der Stiftung vergleichen werden. Ebenso auch mit anderen oldenburgischen Häusern, aber auch mit allen anderen rund 13.000 stationären Einrichtungen aus dem Bundesgebiet. Horst Geers, Projektverantwortlicher beim Landes-Caritasverband: "Es wird die volle Bandbreite bei den Ergebnissen geben."

Caritas-Pflegeexperte Geers

Für den Pflegeexperten aber weit wichtiger: Wenn der Medizinische Dienst der Krankenkassen künftig einmal jährlich vor Ort prüfe, würden nicht mehr wie bisher zuerst die Häkchen in den Akten inspiziert und dann mit dem Senior gesprochen. 

Das Gespräch mit Bewohner und Angehörigem stehe vielmehr an erster Stelle. Dann folge das mit dem Mitarbeiter. "Das müssen unsere Leute erst mal wieder lernen", wissen Macke und Struckmeyer. 

Pflegekräfte dürfen Angst verlieren

"Sie müssen lernen, weniger zu dokumentieren und die Angst verlieren, dass ihnen nicht geglaubt wird, wenn sie das Häkchen nicht gesetzt haben." Ihr pflegefachliches Urteil sei ihnen bisher regelmäßig abtrainiert worden. Sie müssten auch lernen, dass das Ergebnis mal schlechter ausfallen kann, so Geers. 

Der Rat in Richtung Angehörige: Sie sollen sich die Ergebnisse gut erklären lassen. So scheinen vermehrte Stürze auf einer Demenzstation auf den ersten Blick als Minus. Die Tatsache, dass sich alle Bewohner dort - durch eine Außentür gesichert - 24 Stunden frei bewegen können, lasse das Minus in anderem Licht erscheinen. 

Dietmar Kattinger, 14.12.2018

 

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