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Stand: 18.12.2014

Pressemitteilung

Caritas als Veranstalter

„Wir töten im großen Stil“

Die Welt von der Ungerechtigkeit zu einem Stück mehr Gerechtigkeit zu führen: Dafür plädierte der Oldenburger Professor Dr. Paul Mecheril am Donnerstag, 27. November. Beispielsweise sei Europa in der Lage, Millionen von Menschen in Not vorübergehend aufzunehmen, mahnte der Referent bei der 27. Stapelfelder Migrationstagung. 

Alle hätten in den Spiegel zu schauen: Jedes Kind, das verhungere, sei ein ermordetes Kind, so der Redner in der Katholischen Akademie. Mecheril: "Wir töten im großen Stil." 

Auch Körper werden entsorgt

Als Grund, warum wir uns in einer Epoche der Migration befänden, nannte der Redner die soziale Ungleichheit, die noch nie so ausgeprägt gewesen sei wie heute wie heute. "Ein Drittel der Lebensmittel werfen wir weg oder beseitigen sie auf einem anderen Kontinent", so der Referent. Neben Computern und Handys würden auch menschliche Körper in Afrika entsorgt, sagte er vor rund 200 Zuhörern. 

Dass die Welt nicht zuletzt durch die Kommunikationstechnologie "geschrumpft" sei, stelle einen weiteren Grund für die weltweite Wanderungsbewegung dar. Und schließlich: "Immer mehr Menschen nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand." Wie in der Aufklärung würden Menschen zu Recht sagen: "Es steht mir zu, über mein Leben zu bestimmen." 

35 Milliarden für die Abschottung

Noch immer würden Geburtsort und Pass den weiteren Verlauf eines Menschen festlegen. Für nahezu "perfide" hält der Pädagoge die Aussage, dass Niedersachsen ein weltoffenes Land sei. 

Für entlarvend hält der Bildungswissenschaftler mit indischen Wurzeln die Aussage "Nie wieder 2015", welche inzwischen zur gesellschaftlichen Maxime aller Parteien geworden sei. "Weil wir unsere kleine Welt bewahren wollen", seien 35 Milliarden für die Abschottung ausgegeben worden. 

"Gilderecht aufweichen"

Die Eingliederung in das Erwerbsleben nannte Dr. Jans-Joachim Heuer als Vertreter des niedersächsischen Sozialministeriums als Schwerpunkt in der kommenden Legislaturperiode im Blick auf eine Integration. Dabei solle beispielsweise im Blick auf zugewanderte Lehrer "das Gilderecht aufgeweicht werden, ohne auf die Qualität zu verzichten."

19 Prozent der Einwohner in Niedersachsen haben Migrationshintergrund, so Heuer. Jeder vierte von Ihnen sei bereits in Arbeit. Nur wenige zugewanderte Menschen würden noch in Einrichtungen der Erstaufnahme leben.

Veranstalter der zweitägigen Veranstaltung war neben der Akademie Stapelfeld unter anderem die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz, das niedersächsische Sozialministerium sowie der Landes-Caritasverband für Oldenburg.

Dietmar Kattinger

 

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