Vechta. Weiße Stöcke, gelbe Binden mit drei Punkten, schwarze Brillen: Zahlreiche der blinden und stark sehbehinderten Menschen aus dem Landkreis Vechta sind am Dienstag, 7. März, ins Rathaus der Kreisstadt gekommen. Der Grund: Die Eröffnung der Ausstellung "Andere Augen" für Blinde und Sehende. Weitere zwei Wochen wird sie in der Reiterstadt zu sehen sein.
"Mein Sohn war nach dem Abitur zwei Wochen in Norwegen, weil er nicht genau wusste, was er mit seinem Leben machen sollte", beschreibt Reiner Stutz die Entstehung der 33-teiligen Ausstellung, die über eine Art Audio-Guide auch für Blinde zu erleben ist.
Zufällig habe sein Sohn Gregor, der sich als Grafik-Designer derzeit beruflich in Indien aufhält, bei einem Bauern mitgearbeitet, der erfolgreich einen Hof mit 35 Kühen betrieben hat. Und das, obwohl er mit beiden Augen nur zehn Prozent dessen sehen konnte, was ein gesunder Mensch erblickt.
Damit ging es ihm wie niedersachsenweit 9.000 Menschen, die ebenfalls blind oder sehbehindert sind, sagte die Landesvorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Helga Neumann. 642 von ihnen leben nach Angaben des Statistischen Landesamtes im Landkreis Cloppenburg. 504 Blinde oder Sehbehinderte leben im Landkreis Vechta.
Als sehbehindert gilt, wer unter Nutzung aller Sehhilfen weniger als 30 Prozent des Normalsichtigen sieht. Als blind gilt, wer auf diesem Wege weniger als zwei Prozent sehen kann. Neben der Vechtaer Gruppe gibt es in Südoldenburg weitere in Lohne sowie in Lastrup und Friesoythe.
Die Ausstellung ist Teil zweier Aktionswochen unter dem Motto "Ich sehe was, was Du nicht siehst". Weiteres Element der Veranstaltungsreihe ist eine Hilfsmittelausstellung für blinde und sehbehinderte Menschen am Mittwoch, 15. März, von 10.00 bis 17.00 Uhr ebenfalls im Rathaus Vechta. Rehabilitationstrainer informieren in dieser Zeit über "Orientierung und Mobilität" sowie "Lebenspraktische Fähigkeiten".
Zwischen 15.00 und 16.30 Uhr referiert am selben Tag ebenfalls im Rathaus Vechta der Lohner Augenarzt Carsten Burkhard über "Altersbedingte Makuladegeneration".
Eine Tagesfahrt zum Dialoghaus Hamburg bieten die Organisatoren am Freitag, 24. März, von 10.30 Uhr bis um 21.30 Uhr an. In völlig abgedunkelten Räumen werden Besucher durch eine Ausstellungsfläche von 400 Quadratmetern geführt. Sie haben die Möglichkeit, einen Kaffeetisch in völliger Dunkelheit zu decken, Kaffee zu trinken sowie anschließend wieder abzuräumen.
Weitere Infos bei der Kontakt- und Beratungsstelle Selbsthilfe, Melanie Fischer, Tel. 04441/8707-0
Dietmar Kattinger, 09.03.2017