Vechta / Cloppenburg / Friesoythe (LCV) Sie haben Sorge vor "deutlichen Veränderungen in der Landschaft der Eingliederungshilfe". Das haben am Montag, 26. Oktober, der Vorstand des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg sowie Verantwortliche großer Caritas-Träger für Menschen mit Beeinträchtigung im Oldenburger Land der Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Silvia Breher mitgeteilt.
So gebe es vereinzelt Bewohner, die im Laufe der Zeit beispielsweise eine Psychose entwickeln würden. Die ihre Impulse nicht mehr steuern könnten und in der Folge fast täglich selbst- oder fremdgefährdend würden, schilderten Dominik Fahlbusch (Andreaswerk Vechta), Andreas Wieborg (Caritas-Verein Altenoythe) und Dr. Sebastian Vaske (St. Vincenzhaus Cloppenburg).
"Solche Fälle sind im Finanzierungsschlüssel nicht vorgesehen", stellte Fahlbusch fest. Mit dem normalen Personalschlüssel sei hier nicht mehr auszukommen. Hier kämen durch möglicherweise notwendige
Umbaumaßnahmen und einen hohen Personalschlüssel bis zu 200.000 Euro pro Bewohner pro Jahr zusätzlich auf die Einrichtung zu.
Auch müsse das Personal gefunden werden, das diese großen Herausforderungen über einen längeren Zeitraum überhaupt leisten könne. "Fälle, die nicht häufig vorkommen, aber in ihrer Wirkung eine Einrichtung deutlich beeinflussen", so die Geschäftsführer und die Caritas-Referentin für Eingliederungshilfe, Nicole Nordlohne.
"Teilhabe ist ein Grundrecht", attestierte Breher, die im Deutschen Bundestag das Oldenburger Münsterland als direkt gewählte Abgeordnete vertritt. Sie machte klar, dass wir diese Menschen nicht zurückversetzen dürfen in ein früheres Jahrhundert. Gleichzeitig gelte es, auch angesichts der angespannten Lage des Bundeshaushaltes, die Kostenentwicklung im Auge zu behalten.
Brehers Vorschlag: Lösungen für einzelne Personen, die aus dem Raster fallen, von denen abzukoppeln, die für einen großen Teil der Betroffenen mit Beeinträchtigung gelte. Grundsätzlich gelte es, über
Synergie, Effizienz und Bürokratierückbau zu einem besseren System zu kommen, plädierte Breher. Strukturen müssten überdacht und verändert werden.
Darüber hinaus beklagten die Caritas-Vertreter fehlende Fachlichkeit im Feld der Schulbegleitung. Zwei-Wochen-Kurse als Qualifizierung wären zu wenig. Das Prinzip könne sogar kontraproduktiv sein, wenn
die Schulbegleiter die Lückentexte der Kinder ausfüllen würden. Zu hören war weiterhin, dass es wieder mehr Systemverlier gäbe. Personen mit Beeinträchtigung, die zurück in ihre Familien gehen - wie vor 30
Jahren. "Was ist, wenn die Eltern sterben!?", fragten die Geschäftsführer.
Großes Verständnis zeigte Breher bei dem Appell, den Einrichtungen von Seiten der Politik und der Kostenträger wieder mehr zu vertrauen. Nur mit einem gesunden Grundvertrauen könne man bei Verwaltungsstrukturen effektiver werden und Menschen dazu befähigen, Entscheidungen zu treffen, um vor Ort die Dinge schneller abzuarbeiten und voranzubringen.
Verständnis auch bei dem deutlichen Wunsch des Caritas-Vorstands, Dr. Gerhard Tepe und Professor Dr. Martin Pohlmann, die Erfahrung von Einrichtungen in politische Reformprozesse einzubeziehen. Das Andreaswerk Vechta, der Caritas-Verein Altenoythe und das St. Vincenzhaus Cloppenburg halten zusammen 4.600 Plätze in der Eingliederungshilfe vor und beschäftigen rund 2100 Mitarbeitende.
Pressemitteilung
Bis zu 200.000 Euro pro Jahr zusätzlich
Erschienen am:
28.10.2026
Beschreibung