Oldenburg / Hannover (LCV) 50 Prozent der Klientinnen und Klien-ten in der Allgemeinen Sozialberatung der Caritas in Oldenburg kommen mit Anträgen nicht zurecht. Ein weiterer großer Teil braucht Hilfe auf Grund von Existenzsorgen im Sinne von "Mein Geld reicht nicht mehr". Dritter großer Bereich sind psychische Leiden oder Suchterkrankungen. Das sagte Caritas-Beraterin Dorles Löning am Dienstag, 1. September, in Oldenburg.
Anlass war ein Treffen in den Räumen des Diakonischen Werkes mit Vertreterinnen und Vertretern von SPD, Bündnis 90/Die Grünen so-wie des Sozialministeriums, die sich im Rahmen einer Tagung über das Thema "Allgemeine Sozialberatung" informiert haben.
"Ich weiß gar nicht, ob ich hier richtig bin, aber ich brauch‘ mal Hilfe", sei der Satz, mit dem viele Menschen in Not zum ersten Termin kä-men, so Löning. Nach dem Hausarztprinzip sei bei ihr zunächst jede Person richtig. Niemand müsse auf Grund seiner Not abgewiesen werden. Das Alter ihrer Klientinnen und Klienten reiche von 16 bis 86. 17 Prozent seien zwischen 16 und 29. Genau die Hälfte zwischen 30 und 59. Weitere 30 Prozent seien 60 Jahre alt oder älter.
Sei es 2020 in den Beratungsgesprächen vorrangig um das ‚Bürgergeld‘ gegangen, sei der Großteil ihrer Klienten heute voll erwerbstätig. Es gebe einen hohen Anteil an Rentnern. 2025 hätten viele orientierungslose junge Menschen die Hilfe der Caritas nachgefragt. In diesem Jahr bildeten oft toxische Beziehungen den Kern des Problems, so Löning. Das Anliegen laute: "Ich will mich trennen. Wie komme ich da raus?" Beim Thema Missbrauch oder anderen speziellen Nöten vermittle Löning weiter an die für sie äußerst wertvollen Fach-Beratungsstellen.
Wichtig sei für sie, schnell zu reagieren. "Oft gibt es Fristen. Da kann ich nicht sagen: ‚Kommen Sie in drei Wochen wieder!‘" Ihr Satz "Wir können da was machen!", führe bei Ratsuchenden nicht selten dazu, "dass sie wieder schlafen können", sagte die Expertin.
Die Digitalisierung von Behörden und Ämtern sei für 90 Prozent gut, berichteten Franz-Josef Franke (Diakonisches Werk Oldenburg) und Dietmar Fangmann (Landes-Caritasverband). "Für zehn Prozent allerdings eine Katastrophe."
Die Vertreter der Regierungsparteien dankten für die komplexer werdende Arbeit und würdigten unter anderem den hohen Wert, den es mit einem persönlichen Ansprechpartner vor Ort gebe.