Vechta / Niedersachsen (LCV) Deutliche Kritik hat die Caritas in Niedersachsen am Mittwoch, 17. Februar, an den derzeitigen Plänen der Bundesregierung zum sogenannten ‚Asylpaket II‘ geäußert. So müsse ein Familiennachzug weiterhin möglich bleiben, fordert Dietmar Fangmann, Referent für Migration und Integration beim Landes-Caritasverband für Oldenburg (Vechta), stellvertretend für den katholischen Wohlfahrtsverband in Niedersachsen.
"Ein Verbot des Familiennachzugs verhindert jegliche Integration", warnt Fangmann. Weitere Bedenken hat die Caritas in Niedersachsen im Blick auf die Verkürzung des Prüfverfahrens auf nur wenige Tage. Fangmann: "Eine sorgfältige Prüfung ist dann nicht mehr möglich."
Die Caritas kritisiert weiterhin geplante Regelungen für erkrankte Flüchtlinge, die abgeschoben werden sollen. "Es nützt einem schwer herzkranken Mann aus Eritrea nichts, wenn eine fachärztliche Versorgung nur 300 Kilometer von seinem eritreischen Heimatort entfernt möglich ist", gibt Fangmann zu bedenken. Entscheidend dürfe nicht sein, ob eine medizinische Behandlung ‚theoretisch‘, sondern ob sie im Heimatland auch ‚tatsächlich‘ möglich sei.
Auch müsse die Begutachtung kranker Flüchtlinge in Deutschland weiterhin durch unabhängige Fachärzte geschehen und nicht durch Amtsärzte, fordert der Migrationsexperte.
Die Einrichtung von grenznahen Aufnahmeeinrichtungen beurteilt die niedersächsische Caritas skeptisch: "Ein faires Verfahren mit einer unabhängigen Asylberatung und Zugang zu Anwälten wäre dadurch
erschwert", sagt Fangmann.
Der katholische Wohlfahrtsverband hält es darüber hinaus für falsch, die Länder Marokko, Algerien und Tunesien zu ‚sicheren Herkunftsländern‘ zu erklären. Dies berge die Gefahr, dass ein Ergebnis einem individuellen Verfahren vorweggenommen werde. "Die Einzelfallprüfung ist jedoch entscheidend wichtig", so Fangmann.
Im Gebiet der Caritas in Niedersachsen (Bistümer Hildesheim und Osnabrück sowie Offizialatsbezirk Oldenburg) arbeiten im Bereich der Flüchtlingshilfe 150 hauptamtliche Mitarbeiter an 30 unterschiedlichen Standorten (beispielsweise Wohnheime, Pfarrhäuser oder Klöster). An diesen Standorten werden rund 1.000 Plätze für Migranten angeboten.
Darüber hinaus betreuen die Hauptamtlichen sowie 5.000 Ehrenamtliche weitere 15.000 Flüchtlinge in ganz Niedersachsen, die dezentral untergebracht sind.
Dietmar Kattinger, 16.2.2016