Vechta / Landkreis Cloppenburg.
„Wir müssen immer schneller
werden“, klagt die Pflegedienstleiterin der Cloppenburger
Caritas-Sozialstation, Eugenia Looschen und selbst dadurch sei weder Patienten
noch Pflegekräften geholfen. „Das Gefühl, den Menschen nicht gerecht zu werden,
lastet schwer auf den Schultern“, bekennt sie offen. Damit ist sie nicht
alleine.
Die gleichen Worte kommen aus dem Mund
von Patienten, Pflegerinnen und Pflegern, den Chefs und Chefinnen von großen
Einrichtungen. Viele fühlen sich dem Diktat der Uhr ohnmächtig ausgeliefert.
Ein Ehepaar aus dem Oldenburger Land,
das nicht näher genannt werden möchte, möchte das ändern. Kürzlich hat es daher
eine Stiftung beim Landes-Caritasverband für Oldenburg eingerichtet, deren Ziel
die Förderung der ambulanten Altenpflege ist. Mit 10.000 Euro sollen ab dem 1.
Oktober in einem zusätzlichen Projekt erste Erfahrungen gesammelt werden.
„Zeitspende in der ambulanten Pflege“
heißt dieses auf zehn Monate angelegte Pilotprojekt, an dem beteiligt sind:
Sozialstation Essen-Lastrup-Molbergen, die neu fusionierte „Cloppenburger
Caritas-Sozialstation St. Pius-Stift/St. Josefs-Stift“ sowie der
familienentlastende Dienst des Caritasvereins Altenoythe.
Konkret soll es so gehen: Da ist die
45-jährige Frau, die seit sechs Jahren ihre demente Mutter pflegt, mit ihr aber
kein Wort mehr sprechen kann. Zwar zahlt die Pflegekasse die Köperpflege der
Mutter durch die Sozialstation. Das wichtige Gespräch auf dem Flur mit der
Tochter oder gar bei einer Tasse Kaffee, das bezahlt der Sozialstation niemand.
Durch das auf zehn Monate ausgelegte
Projekt „Zeitspende“ können die drei beteiligten Einrichtungen sagen: „Ja, auch
für die Tochter dieser Patientin brauchen wir Zeit, um einfach mal ein Gespräch
führen zu können.“ Oder die Pflegekräfte brauchen Zeit, um beispielsweise einen
verwitweten, gehbehinderten Mann zum Friedhof ans Grab seiner kürzlich
verstorbenen Frau zu begleiten.“
Bis zu zehn volle Stunden können pro
Fall im Monat durch das Projekt „Zeitspende“ über die neue Caritas-Stiftung abgerechnet
werden. Entlastet werden sollen dadurch sowohl Patienten als auch das
Pflegepersonal.
Warum das Ehepaar das macht? „Wir haben
selbst im Leben viel Gutes erfahren“, sagen die bescheidenen Stifter. Im Umfeld
erfahren sie, „dass Menschen vereinsamen“, weil vielfach die Zeit für sie
fehlt. Dagegen wollen Sie etwas tun.
Für das Projekt werden weitere Stifter
oder Spender gesucht. Weitere Infos: Josef Wolking,
Caritas-Gemeinschafts-Stiftung, Tel. 04441/8707-0.
Zitat:
„Jetzt brouk
ick eene Schmerztablette weniger,“
die Patientin einer Sozialstation, nachdem die Schwester sich mit ihr eine Zeit
lang unterhalten hatte
Dietmar Kattinger
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 04441/8707-640