Cloppenburg-Stapelfeld (LCV) "Als Mittel, soziale Ungerechtigkeiten auszugleichen" hat die Vechtaer Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Anke König Sprachbildung bezeichnet. Eltern riet sie, ihre Kinder neugierig auf die Welt zu machen und diese zum Fragen anzuleiten.
Dabei müssten Mutter und Vater selbst nicht immer alles beantworten können, sagte sie am Dienstag, 21. April, am Rande des Fachtages zum Thema "Kinder bilden Sprache - Sprache bildet Kinder" in der Katholischen Akademie Cloppenburg-Stapelfeld.
Gemeinsam Philosophieren
König: "Wertvoll ist gemeinsames Philosophieren", ermutigte sie die Erziehenden, "das gemeinsame Suchen nach Antworten." Wichtig sei es auch, zu vermitteln, seine Aufmerksamkeit auf eine Sache zu lenken. Ins höhere Alter übersetzt könne dies beispielsweise bedeuten, dass bei Mahlzeiten alle Handys ausbleiben.
Grundsätzlich seien Kinder nicht von Geburt an auf die eine Sprache festgelegt. Diese entwickle sich im Zusammenspiel mit seinem Lebensumfeld. König: "Die Initiative eines Kindes braucht die Resonanz seiner Umwelt."
Beziehung das 'A' und 'O'
Als wichtigsten Faktor im Verlauf von Sprachbildung bezeichnete die Professorin für Frühpädagogik Eva Briedigkeit die Erzieherin selbst. Habe sie keine gute Beziehung zum Kind, "dann wird sich das Kind ihr gegenüber auch nicht öffnen und sich ausdrücken." Weiter riet sie zum gemeinsamen "Laut-Denken": "Hm, wie wollen wir denn nun das Lego-Haus bauen?"
Auch kritische Beobachtungen gab die Frühpädagogin aus Soest den 130 überwiegend weiblichen Zuhörenden mit: Wenn eine Erzieherin auf den Satz eines Sechsjährigen "Gestern habe ich einen Tornister bekommen" nicht näher einsteige, "ist dies ein verschenkter Sprachförderanlass." Dies beobachte sie nicht selten, zum Beispiel weil die KiTa-Mitarbeiterin gleichzeitig die Mütter begrüßen oder etwas organisieren müsse.
Fünfjährige kommen häufig zu kurz
Eine weitere Wahrnehmung der Referentin: Da immer mehr kleine Kinder die Aufmerksamkeit in einer KiTa auf sich ziehen, kämen Fünfjährige nicht selten zu kurz.
Auch versuche man beispielsweise sprachlich schwächere Kinder oder solche aus anderen Ländern vor schwierigen Worten zu verschonen. Briedigkeit: "Kindern kann man das zumuten - auch schwierige Ausdrücke."
Dreischritt
Im Blick auf zugezogene Kinder, die ohne ein Wort Deutsch am Montagmorgen vor der KiTa-Türe stünden, empfahl sie einen Dreischritt: Den Eltern die Notwendigkeit des Deutsch-Lernens klar machen. Die beispielsweise arabische Muttersprache nicht stigmatisieren - wenn gleich mit dem Hinweis "Zu Hause sprecht ihr arabisch. Hier sprechen wir deutsch." Dann würden die Kinder relativ schnell die Sprache ihres neuen Landes lernen.
Die Forderung nach einem ausreichenden Personalschlüssel erhob Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe in seiner Begrüßung. Dass das Engagement im Bereich Sprachförderung "auch aus fiskalischer Sicht wichtig" sei, darauf wies erster Kreisrat Hartmut Heinen (Vechta) auch im Namen des Landkreises Cloppenburg hin.
Laut und doch stumm
In einer Zeit, die trotz aller medialen Möglichkeiten "schweigsam und stumm" zugleich sei, würdigte auch Prof. Dr. Norbert Lennartz (Universität Vechta) die Sprachbildung als "verantwortungsvolle Aufgabe".
Veranstalter des Fachtages war der Landes-Caritasverband für Oldenburg in Kooperation mit der Universität Vechta.
Dietmar Kattinger, 21.04.2015