Vechta / Quakenbrück (LCV) Angefangen hat es am 6. September 1993: Damals als sich Günter Welker mit Pfarrer Leo Simon aus Altenoythe getroffen hat. Er möge sich an den Landes-Caritasverband für Oldenburg wenden, riet ihm der heutige Ruhestandsgeistliche. Herausgekommen ist mit der "Mechtild und Günter Welker-Stiftung" eine private Initiative des Ehepaares aus Quakenbrück, die in diesen Tagen ihr 20-jähriges Bestehen feiert.
1,2 Millionen an Zinserträgen konnten bisher aus der ökumenisch ausgerichteten Initiative an werdende Mütter und junge Familien in Not gegeben werden. 830.000 Euro kamen Einzelpersonen zu Gute. Die Satzung im Laufe der Jahre erweitert, flossen 360.000 Euro in Präventionsarbeit und Projekte, 69.000 Euro kamen der Hilfe für werdende Mütter in Osteuropa zu Gute.
"Eigentum verpflichtet", erklärt Günter Welker im Rahmen einer kleinen Feierstunde ganz sachlich seine und die Beweggründe seiner Frau vor über 20 Jahren. "Im Grunde konnten wir gar nicht anders", sagt der heute 88-jährige studierte Agraringenieur, der nach wie vor gefragter Ratgeber in Stiftungsfragen ist.
Die Abtreibungsdebatte habe die Eltern von fünf Kindern und zahlreichen Enkelkindern damals zur klaren Position gebracht: "Es kann doch nicht sein, dass in einem reichen Land wie dem unseren Kinder aus finanziellen Gründen abgetrieben werden."
Auch wenn weit aus nicht alle Fälle so dramatisch waren, so gab es sie: die junge Frau aus dem Norden des Offizialatsbezirkes, die den damals sogenannten "Schein" in ihren Händen hielt. Jenes Papier, das die Abtreibung ihres werdenden Kindes straffrei gemacht hätte.
Die den Termin für den Eingriff in ihren Leib bereits vereinbart hatte. Die den Bescheid über eine finanzielle Unterstützung aus der Welker-Stiftung erhielt und weinend auf den Treppenstufen ihrer Wohnung sitzend den Schein zerriss. Jene Frau, die Jahre später dankbar ist für ihre heutige Tochter.
Dank ist denn auch das Leitmotiv der Feierstunde: Als "Initiative, die ihresgleichen sucht", würdigt Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe die Stiftung, die durch den Landes-Caritasverband verwaltet wird. Für Prälat Peter Kossen gleicht das Welker'sche Engagement um den Lebensanfang dem heute notwendigen um das Lebensende. "Wir können uns das Leben nicht geben, daher können wir es auch nicht nehmen", sagt Kossen. Für ihn unverständlich, wenn gar über das nicht weiter Leben Wollen von Kindern gesprochen würde.
Das Ehepaar Welker mache deutlich, "dass wir an eine andere Wirklichkeit glauben", sagte Kossen. "Dafür gebührt Ihnen unser Dank."
Zustiftungen an die ‚Mechtild und Günter Welker-Stiftung‘ sind möglich unter OLB Oldenburg, IBAN: DE89 2802 0050 1014 5001 00, BIC: OLBODEH2XXX