Vechta / Oldenburger Land.
Die oldenburgische Hilfe unter dem
Dach von Caritas und Maltesern beim Aufbau Litauens seit 1990 hat jetzt der
Sozialminister des Landes,
Donatas
Jankauskas, gelobt. Dadurch seien zum einen soziale Strukturen entstanden, zum
anderen sei die katholische Arbeit zum Vorbild für andere
Nicht-Regierungs-Organisationen geworden, sagte der Politiker während eines
Pressegesprächs am Samstag, 2. Oktober, im Vechtaer „Haus der Caritas“
anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Initiative.
Die inzwischen aufgebauten litauischen Verbände von Caritas und
Maltesern seien heute „sehr wichtig, bemerkbar und sichtbar“ für das Land mit
seinen drei Millionen Einwohnern. Als große Herausforderung für die Zukunft
beschrieb Jankauskas die Entwicklung von „Werten und Sittlichkeit“. Die Kirche
könne dabei eine wichtige Rolle spielen, würdigte der Sozialminister.
Die schwierige Lage Litauens zu Beginn der oldenburgischen Hilfe
beschrieb der Vorsitzende der dortigen Bischofskonferenz, Erzbischof Sigitas
Tamcevicius. Eine Folge davon, dass sich sein Land gegen den Willen der
Sowjetunion für unabhängig erklärt hat, seien wirtschaftliche Sanktionen des
ehemaligen Verbündeten gewesen. Der Übergang vom Sozialismus zu einem
marktwirtschaftlichen System habe extreme Armut mit sich gebracht.
Vor der Gründung der Caritas in Litauen 1989 habe es zwar einen
Frauenverband gegeben, der sich der sozialen Armut zwar angenommen hätte.
Allerdings habe es „viel guten Willen, aber wenig Erfahrung gegeben, wie man
soziale Arbeit strukturieren kann“, blickte der Jesuit zurück.
Die Caritas-Malteser-Initiative sei „wie ein Lichtstrahl in
dunkler Nacht gewesen“. Vor allem die Tatsache, „dass wir jemandem wichtig sind
und Freunde in der Welt haben“, bezeichnete der Erzbischof als kostbar.
Noch eindringlicher schilderte Tamcevicius während seiner Predigt
in der Vechtaer Propsteikirche die Lage während der Sowjetherrschaft.
Zehntausende seien während dieser Zeit getötet worden, Hunderttausende nach
Sibirien verbannt. Letzteres Schicksal hat der Erzbischof mehrere Jahre am
eigenen Leib erlebt.
Tamcevicius: „Noch gefährlicher als die sichtbaren Wunden seien
unsichtbare gewesen.“ So sei den Menschen der Marxismus und Atheismus mit
Gewalt aufgezwungen worden. Pfarrgemeinden wäre das Recht auf Existenz
abgesprochen worden mit dem Hinweis, der Staat werde alle Bedürfnisse erfüllen.
„Statt Liebestaten wurden Hunderttausende gezwungen, einander zu
verraten“, berichtete der Prediger. „Die Berliner Mauer wurde nicht nur in der
deutschen Hauptstadt gebaut, sondern auch in den Herzen der Menschen meines
Landes“, sagte der Präsident der litauischen Caritas.
Während seiner eigenen Verbannung nach Sibirien habe er viele
Briefe bekommen. Tamcevicius: „Das Wissen, dass dich jemand nicht vergisst, war
ebenso wertvoll wie eine Scheibe Brot.“ Für die spätere Hilfe aus dem
Oldenburger Land werden er und seine Landsleute immer dankbar sein.
Im Rahmen der Hilfe für Litauen sind
seit 1990 genau 602 Transporte aus dem Oldenburger Land ins Baltikum gerollt, weitere
297 nach Polen und Weißrussland. Insgesamt waren 3.000 Personen an der
Osteuropahilfe beteiligt. Sie haben an 24.000 Einsatztagen 9.600 Tonnen
Hilfsgüter auf einer Strecke von knapp vier Millionen Kilometern und einem Wert
von 22,6 Millionen Euro transportiert.
Die Malteser verfügen heute über 27
Ortsgruppen mit 800 Haupt- und Ehrenamtlichen in dem baltischen Staat. Als
erfreulich bezeichnete Erzbischof Tamcevicius die Tatsache, dass die Bewohner
seines Landes inzwischen selbst anderen Ländern finanziell wieder helfen
könnten. So geschehen bei Kollekten für die Opfer des Tsunami oder des
Erdbebens auf Tahiti.
Im Blick auf die Zukunft riet der
Vorsitzende des Bischöflichen Hilfswerkes und frühere Präsident des Deutschen
Caritasverbandes, Hellmut Puschmann, „Begonnenes zu vertiefen“.
Partnerschaftlichkeit dürfe dabei nicht nur auf dem Papier stehen. Neben
sozialen Fragen solle auch eine geistliche Partnerschaft in den Blick genommen
werden. Bei allen Initiativen gelte es, diese ökumenisch umzusetzen.
Im Vechtaer Rathaus fand auch
Bürgermeister Uwe Bartels neben zahlreichen weiteren Rednern lobende Worte für
die niedersächsische Initiative.
Zitat:
„Das Wissen, dass dich jemand nicht vergisst, war ebenso
wertvoll wie eine Scheibe Brot“
Erzbischof Sigitas Tamcevicius, der mehrere Jahre in sibirischer
Verbannung gelebt hatte.
Dietmar Kattinger
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 04441/8707-640