2.000 Mitarbeitende auf dem Gebiet ihrer Pfarrei, das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Woher kommt diese große Zahl?
In der Tat: Das ist eine Frage, die sich Viele stellen. Nun, wir haben viele Caritas-Einrichtungen bei uns. Dazu gehört das Krankenhaus, die Clemens-August-Kliniken für Jugendliche und Erwachsene, die Heimstatt-Clemens-August, die Altenheime, das ‚Haus der Caritas‘, die Malteser, neu den SkF und nicht zu vergessen all die Ehrenamtlichen.
Wie kommt es zu der Idee eines Tages der Caritas?
Ein Anlass war der Pastoralplan im Bistum Münster. Die Frage: Wen gibt es alles in unserer Pfarrei? So haben wir Vertreter sozialer Einrichtungen in unserer Gemeinde eingeladen, sich näher kennen zu lernen und sich weiter zu vernetzen.
Leider ist es noch immer so: Caritas wird in der Außenwahrnehmung wenig als Kirche wahrgenommen. Das soziale Tun unserer Kirche stärker ins Bewusstsein zu heben und den Handelnden ‚Dank‘ zu sagen: Das ist unser Anliegen. Dass die Malteser losfahren, wenn etwas passiert ist; dass sie ihr Leben einsetzen für andere: Das ist im Letzten eben nicht selbstverständlich.
So viele Menschen beugen sich jeden Tag hinab in die tiefsten Tiefen menschlichen Lebens. Was bedeutet das für Sie als Priester?
Ich schätze das sehr hoch. Das ist ja Ausdruck von Kirche. Wir teilen mit den Menschen die Not. Wir reden nicht nur darüber.
Rettungskräfte sind nur ein Beispiel. Mit Blaulicht fahren raus. Sie bleiben auch da, bis jemand kommt. Beeindruckt hat mich vor langer Zeit bei einem Unfall, als Feuerwehrleute darum gebeten haben, dass ein Priester kommt und mit ihnen betet - mit den Feuerwehrleuten. Sie holen Gott in ihre Wirklichkeit hinein. So wird deutlich, dass das zusammengehört.
Das erlebe ich auch im Bereich Krankenhaus, im Altenheim. In der Sorge um behinderte Menschen. Wir tragen das Leid anderer mit. Wir sind ihnen nahe. Das ist Ausdruck von Christsein in seiner reinsten Form. Dafür bin ich jedem Einzelnen zutiefst dankbar.
Gibt es ein Leid, das für Sie am schlimmsten ist?
Ich kann und will das nicht gegeneinander abwägen: Für manche ist die Einsamkeit sein oder ihr größtes Leid. Tiefe Not erlebe ich natürlich auf der Palliativstation, wo Menschen oft den Tod vor Augen haben. Aber auch Burn-out nimmt mehr und mehr zu. Auch hier begegne ich unendlichem Leid.
Was wünschen Sie sich von diesen 2000 Caritas-Mitarbeitenden?
Bevor ich einen Wunsch äußere, bin ich zunächst einmal dankbar dafür, dass es sie gibt. Wenn ein Wunsch, dann den, es deutlicher ins Bewusstsein zu heben, dass diese Menschen Kirche sind. Dass es manchmal deutlicher wird, dass wir hier nicht zwei Welten vor uns haben.
Schwestern und Pfleger der Erwachsenen- und Jugendklinik baten - als die Frage aufkam - auch um einen Seelsorger für sich selbst, nicht nur für die Patienten. Die Frage richtet sich also auch an uns Träger: Was tun wir für die Caritas-Mitarbeiter, um sie zunächst in ihrem Dienst, dann aber ebenso im Glauben zu stärken und zu stützen? Bieten wir als Träger auch den Glauben an?
Was wünschen Sie der Caritas?
Dass sie bewusst wahrnehmen, welch kostbaren Dienst sie leisten. Sie mögen oft erfahren, dass es viele Menschen gibt, die ihnen dankbar sind. Und ich wünsche mir, dass die Vernetzung unteineinander noch stärker wird. Dass wir uns gemeinsam fragen: Wie können wir den Menschen noch besser helfen? Häufig haben wir noch die Haltung, die Notleidenden müssten zu uns kommen. Die Hürde für diese Menschen ist oft jedoch sehr hoch. Wie können wir der Not und den Bedürftigen im Zusammenspiel noch besser nachgehen?
Woran denken Sie?
Wenn ich den Ableger der Lohner Tafel in Damme als Beispiel nehme: Da sehen wir 100, die kommen. Aber wir sehen nicht die, die nicht kommen, weil sie sich nicht trauen. Hier halte ich es für wichtig, Wege zu bahnen. Den Aspekt des Hingehens noch weiter pflegen. Um uns als Verantwortliche die Bälle dann noch besser zu zu spielen. Das bessere Kennenlernen am 20. September soll dafür die Grundlage verstärken.
Was wird die Leute am 20. September erwarten?
Wir haben bewusst gesagt ‚Wir wollen keinen Aktionstag machen‘, sondern zunächst Gottesdienst feiern. Auch um deutlich zu machen: Warum tun wir das eigentlich alles? Was ist unsere tiefste Quelle? Es soll ein Ereignis des Dankes sein für den Dienst. Und schließlich die Begegnung in einer unkopmplizierten, einfachen Form.
Interview: Dietmar Kattinger