Neuenkirchen-Vörden (LCV) Sehr deutlich spürt der Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta), Kinder-und Jugendpsychiater Dr. Andreas Romberg, die Auswirkungen der Corona-Krise. Beispielsweise müssten immer wieder Eltern von Patienten beruhigt werden, weil sie Verschwörungstheorien aus sozialen Medien aufsäßen.
In Einzelfällen erinnere der aktuelle Ausnahmezustand auch an Erfahrungen älterer Familienmitglieder, die im Krieg erlebt hätten, dass Ausgangszeiten und Lebensmittel begrenzt waren.
Verschärft werde das Problem für die Patienten kinder-und jugendpsychiatrischen und psychotherapeutischen Klinik weiterhin dadurch, dass die Ursache der Krise nicht sichtbar sei. Das mache es für Kinder und Jugendliche schwieriger, etwa Erwachsene mit Masken vor dem Mund zu deuten und einzuordnen.
Kinder seien irritiert drüber, warum sie ihre Freundinnen nicht mehr zum Geburtstag einladen oder den Spielplatz nicht mehr betreten dürften. Hier sei viel Kommunikation seitens der Eltern nötig. Auch hofft Romberg, dass die Praxen der niedergelassenen Therapeuten offen bleiben. Deren Hilfe werde wichtig sein in den kommenden Wochen.
Gleichzeitig sieht der Chefarzt viele Chancen in der aktuellen Situation. Vermehrt würden Menschen miteinander spazieren gehen, was sonst nur an Sonn- oder Feiertagen üblich sei. "Das ist eine Gelegenheit, nicht so sehr ins Außen zu gehen, in den Freizeitstress und jedem Event hinterher zu jagen."
In Anbetracht von stark zunehmenden Quarantäne-Situationen hält Romberg es für wichtig, mit welcher Haltung jemand diese Phase der Abgeschlossenheit beginne: "Gehe ich passiv hinein, als Opfer und deute es als Unglück? Oder beginne ich diese Phase in der Haltung, die Zeit nutzen zu können?" In dem man etwa lange Aufgeschobenes erledige. Romberg: "Dann ist man nicht Opfer der Situation und erlebe sie als wesentlich weniger belastend."
Dietmar Kattinger, 18.03.2020