Corona-Fazit der Oldenburgischen katholischen Beraterinnen für Fragen zur Schwangerschaft - 2201 Frauen beraten - 65 Prozent hatten keine Berufsausbildung - 54 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit
Vechta / Oldenburger Land (LCV) "Wie wird das wohl werden?" war die Sorge im März 2020. Die Not wurde jetzt deutlich bei der Frühjahreskonferenz der 16 Beraterinnen der sechs oldenburgischen katholischen Beratungsstellen für Fragen rund um die Schwangerschaft. Die anfängliche Furcht sei jedoch einer großen Dankbarkeit gewichen, so der Tenor.
Aus der Not eine Tugend gemacht habe beispielsweise Angelika Koke-Barkam aus Wilhelmshaven. In Telefonaten habe sie gelernt, noch mehr auf die Zwischentöne zu achten; Pausen auch mal auszuhalten. Hätten die Kinder einer Klientin während des Telefonats gestört, hätte sie erlebt, was zu Hause bei den Ratsuchenden wirklich los sei.
Ihr Fazit und das vieler Kolleginnen: "Manchen Frauen fällt es sogar leichter, zum Hörer zu greifen und dort Sorgen und Nöte zu erzählen, statt einer zunächst fremden Beraterin davon erzählen zu müssen." So sei die durchschnittliche Kontaktanzahl in Wilhelmshaven von 1,7 auf 2,3 gestiegen. Ihr Fazit: Am Telefon habe man fast die gleiche Qualität einer Beratung erreicht.
Von gestiegener Kreativität berichtet auch Christina Henkel vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Oldenburg. Briefe seien mit Freiumschlägen verschickt worden; die werdenden Mütter wiederum konnten ihre Fragen per Mail rund um die Uhr stellen.
Martina Jahnßen aus Cloppenburg hat beobachtet, dass durch die Corona-Krise die Männer ihre Fragen viel deutlicher artikuliert hätten. Manchmal habe sie im Telefonat regelrecht auf die Übergabe des Hörers an die werdende Mutter hinweisen müssen.
Eine totale Verunsicherung der schwangeren Frauen hat Eva-Maria Wempe-Muhle vom SkF Vechta zu Beginn der Corona-Krise erlebt. Schwangere hätten sich alleine gefühlt: "Darf mein Mann mit zur Geburt? Muss ich alleine zum Arzt? Wer versorgt die Kinder zu Hause, wenn mein Mann im Büro ist?" Hinzu kam das begrenzte Wissen der Beraterinnen selbst: Corona-Fakten hätten manchmal eine Halbwertszeit von einem Tag gehabt.
Natürlich sei die Krise schlecht und man freue sich auf die "1:1-Beratung", lautet das Fazit von Andrea Thiering-Moormann (Cloppenburg). Aber alles in allem sei man bisher gut durch gekommen. Ihre und die Hoffnung von Kolleginnen: dass die Kreativität und Flexibilität in der Beratung erhalten bleibt. Und die eher philosophische Erkenntnis von Ruth Bock-Janik aus Delmenhorst: "Das Leben ist stärker als Corona."
Insgesamt haben im vergangenen Jahr 2201 Frauen in den sechs oldenburgischen Beratungsstellen um Hilfe gebeten, berichtet Caritas-Fachberaterin Rita Schute. Damit sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil geblieben (2020: 2234). Fragen nach Eltern-, Kindergeld oder anderen finanziellen Hilfen hätten an erster Stelle gestanden.
Dass es in der Corona-Krise gerade für ausländische Frauen schwieriger war, Behörden zu erreichen, hätten die Beraterinnen deutlich gespürt, so Schute. 65 Prozent aller Ratsuchenden hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung. 38 Prozent bezogen Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder andere Leistungen durch den Staat.
54 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Ein Viertel kam aus dem nicht-europäischen Ausland. 1,6 Prozent suchten Rat auf Grund des Ergebnisses einer Pränataldiagnostik. Weitere Infos: Landes-Caritasverband für Oldenburg, Rita Schute, Tel. 04441/8707-0
Weitere Infos:
Beratungsstellen für Fragen rund um das Thema Schwangerschaft gibt es in:
Caritasverband Delmenhorst04221/98349-0
Caritasverband im Kreis Wesermarsch04731/21481
Caritasverband Wilhelmshaven04421/95224-0
Sozialdienst katholischer Frauen Cloppenburg04471/9582890
Sozialdienst katholischer Frauen Oldenburg0441/25024
Sozialdienst katholischer Frauen Vechta0441/9290-0
Die Beratung ist kostenlos, unabhängig von Nation und Religion und findet selbstverständlich in Verschwiegenheit statt.
Pressemitteilung
„Telefonische Beratung gibt mehr her als gedacht“
Erschienen am:
26.03.2021
Beschreibung