Hochschwanger sei sie mit ihrem zweiten Kind gewesen, erinnert sich die End-Dreißigerin. Da habe sie sich vom Vater der Kinder getrennt. Denn auch während der zweiten Schwangerschaft habe er - wie schon beim ersten Kind - immer wieder das Thema Abtreibung ins Spiel gebracht. Und ob sie mit einem zweiten Kind nicht überfordert sei, wollte er wissen. Sie anderweitig abgewertet; versucht, ihr das Ausgehen zu verbieten.
Völlig orientierungslos fühlte sie sich nach der Trennung. Mit den Worten "Die sind wirklich gut" habe ihr eine Freundin schließlich geraten, zur Caritas zu gehen.
Die Wertschätzung dort habe ihr geholfen, beschreibt Madleen. Vom ersten Moment an, als sie über die Türschwelle ging. Geholfen, ihren eigenen Stand im Leben zu finden. Klar habe sie auch mit Geschwistern gesprochen. "Aber eine neutrale Person ist was anderes", sagt sie, die auch nach der Geburt weiter in die Beratung kam. Dort, wo ihr keine Vorwürfe gemacht und sie nicht abgewertet wurde.
Die zweite große Hilfe, die sie von Beraterin Angelika Koke-Barkam bekam: die bei konkreten Dingen. "Wenn ein Brief von der Behörde im Briefkasten landet, schwebt man in Angst", erzählt Madleen in den Caritas-Räumen in der Schellingstraße in Wilhelmshaven. "Man ist wie gelähmt."
"Ich muss wieder Geld verdienen", sei ihr klar geworden. Trotz ihrer zwei Kinder entschied sie sich, eine weitere Ausbildung zu beginnen, um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können. Durch die Vermittlung von Kontakten und wertvollen Anregungen durch ihre Caritas-Beraterin findet sie innerhalb kurzer Zeit den Weg in Richtung ihres neuen Traumberufs.
Damit zählt Madleen zu den lediglich 44 Prozent der 1895 Ratsuchenden, die im vergangenen Jahr in eine katholische Schwangerschaftsberatung im Oldenburger Land kamen und bereits eine Ausbildung hatten.
41 Prozent aller Klientinnen verfügten über keine deutsche Staatsangehörigkeit, berichtet Rita Schute, zuständige Referentin für Frauen und Familie beim Landes-Caritasverband.
Alles in allem hätte die Not zugenommen, die Frauen 2025 in die Beratung führte, berichtet Schute. "Es wurden insgesamt mehr Gründe genannt, sich Hilfe zu holen."
An erster Stelle nannten die Klientinnen allgemeine finanzielle Sorgen auf Grund der Schwangerschaft. Gefolgt von rechtlichen Fragen oder fehlenden Sprachkenntnissen. Zunehmend mehr Ratsuchende seien psychisch belastet oder gar krank, so die Caritas-Referentin. Häufig fehle ein belastbares Netz aus Freunden, Bekannten oder Verwandten.
Viele fühlten sich einsam und das trotz teilweise großer Familien, bestätigt Koke-Barkam aus Wilhelmshaven, wo sich im letzten Jahr 334 ratsuchende Frauen und Familien an die Caritas wandten. 28 Prozent waren in der Hafenstadt jünger als 24.
In 550 sexualpädagogischen Kursen mit Schulklassen, Gruppenangebote für schwangere Frauen und junge Mütter oder Hebammensprechstunden wurden im Oldenburger Land insgesamt 9.000 Teilnehmende erreicht.
Rund 770.000 Euro konnten 970 Frauen zwischen der Nordsee und den Dammer Bergen aus der Bundesstiftung "Mutter und Kind" weitergeleitet werden. Dazu kamen 53.000 Euro aus kirchlichen Stiftungen im Offizialatsbezirk Oldenburg.
Weitere Infos: Rita Schute, Landes-Caritasverband, Tel. 04441/8707-0.
*Name geändert
Katholische Beratungsstellen rund um Fragen der Schwangerschaft gibt es im Oldenburger Land in:
Caritasverband Delmenhorst 04221-983490
Caritasverband im Kreis Wesermarsch 04401-9766-0
Caritasverband Wilhelmshaven 04421-952240
Sozialdienst katholischer Frauen Cloppenburg 04471-9582890
Sozialdienst katholischer Frauen Oldenburg 0441-25024
Sozialdienst katholischer Frauen Vechta 04441-92900