Cloppenburg (LCV) Von außen wirkt es unscheinbar. Fromm durch den roten Namenszug über der Eingangstüre: ‚Haus Bethanien‘. Alles andere als ein chicer Neubau.
Doch drinnen für viele der Himmel: das ‚Café Apfelblüte‘ für Jedermann. Besonders für Einsame und seelisch Verwundete.
"Kann ich noch zwei halbe Brötchen haben und einen Kaffee?" fragt ein wenig fordernd eine Endfünfzigerin. Und das, obwohl es kurz vor 12 Uhr ist. Dann macht die Kontaktstelle ‚Café Apfelblüte‘ erst mal Mittagspause bis 16 Uhr.
Beim Arzt sei sie gewesen; ganz in der Nähe, sagt die Frau. Dann schaue sie immer hier vorbei. Sie, die Kopftuch und Mantel anbehält, während sie hastig isst und trinkt. Sonst sei sie bei der ‚Calo‘ in Friesoythe, einer betreuten Werkstatt, erzählt sie.
Der Himmel ist dieses Café mit zwei durch einen Flur getrennten Räumen auch für die acht Männer, die heute im neu renovierten Hauptraum mit Blick auf die Theke über Gott und die Welt sprechen. In bequemen Vintage-Sesseln sitzend.
"Bis zu 30 Gäste haben wir jeden Tag", berichtet Gerd Niehaus, früherer Chef einer 20 Mitarbeiter starken Steuerkanzlei in Cloppenburg. Mehr Männer als Frauen kämen über die Türschwelle. Die meisten aus der Kreisstadt stammend und vom Alter her 50 plus. Die sich mit dem Rad oder zu Fuß auf den Weg machen. Manche, um hier im Sitzen zu schlafen, erzählt der gebürtige Peheimer. "Hier finden sie Ruhe." Das störe keinen der anderen Besucher.
Die insgesamt rund 70 Gäste kennen sich, sagt Niehaus, der seit zwölf Jahren die Millionen-Zahlen von früher gegen die heutigen Bilanzen des Trägervereins eingetauscht hat. Warum? "Weil wir hier eine Familie sind", sagt er und breitet seine Arme einladend aus. So, als sei die Antwort doch zu sehen.
Zur Familie gehört auch Barbara Schwarz. "Der Donnerstagnachmittag ist meiner", verteidigt sie ihre Schicht. Sie, die seit 18 Jahren hier Kaffee kocht, an den Nachmittagen zwischen 16 und 19 Uhr auch Hot Dogs und überbackenen Toast serviert. Oder Monika Büter, eine von zwölf Ehrenamtlichen, die das Café für Jedermann derzeit an 364 Tagen im Jahr offenhalten. Also auch an Ostern, Weihnachten und Silvester. Nur am 1. Mai ist dicht.
Auch, weil der Verein am Wochenende zusätzlich einen telefonischen Krisendienst wuppt, standen sie beim letzten Sozialpreis des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg ganz oben auf dem Treppchen. Und bekamen dafür 3.000 Euro. Weitere 10.000 Euro kamen von einem privaten Spender, als der von der rein ehrenamtlich getragenen Initiative in der Zeitung las.
Unterstützung kam auch von der "Stiftung Eheleute Taphorn" sowie der "Karl-Heinrich-Linde-Stiftung", beide unter dem Dach der Caritas-Gemeinschafts-Stiftung. Geld, mit dem der Hauptraum renoviert wurde, "um unseren Gästen die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdient haben", sagt Niehaus.
Zwar brauchen sie wie immer Spenden. Aber im Moment sei es fast schwieriger, alle Schichten mit Ehrenamtlichen zu besetzen. Nach der Corona-Zeit hätten auch sie einen Aderlass an Freiwilligen erlebt im ‚Haus Bethanien‘. Bethanien, ein Ort, der im Neuen Testament häufiger auftaucht. In dem Jesus übernachtet hat.
Für einen Kasten:
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 10:00 - 12:00 und 16:00 - 19:00 Uhr,
Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 14:00-17:00 Uhr.
Weitere Infos:
www.kontaktstelle-Cloppenburg.de
Pressemitteilung
„Weil wir eine Familie sind“
Erschienen am:
27.01.2026
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