Vechta. Immer mehr Jugendliche kommen in die Vechtaer Erziehungsberatungsstelle der Caritas mit einer vorgefertigten Diagnose. Dass sie depressiv seien, sei sicher. Dies hätte ihnen ein Arzt bestätigt, sie hätten es im Internet recherchiert oder sich von Freunden in sozialen Medien bestätigen lassen.
Das berichtete Christine Themann, Leiterin der Vechtaer Caritas-Erziehungsberatungstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche bei der Vorstellung des Jahresberichts 2014 gemeinsam mit dem Leiter des Vechtaer Jugendamts Herbert Kucklick.
Teilweise erlebten diese Jugendlichen auch, wie selbstverständlich ihre Eltern - beispielsweise Frauen nach den Wechseljahren - Antidepressiva als Stimmungsaufheller einnähmen, warnte Themann am Donnerstag, 2. Juli.
Mit 817 Fällen sei die Zahl im letzten Jahr im Vergleich zu 2013 um 61 gesunken. Eine insgesamt positive Entwicklung, die Kucklick auch auf andere Bereiche der Jugendhilfe überträgt.
"Die präventive Arbeit wirkt", sieht der Amtsleiter als Grund für die Entwicklung im Landkreis. Mit Familienhebammenprojekten oder anderen Angeboten des Sozialdienstes Katholischer Frauen beispielweise sei viel Gutes erreicht worden, so dass auch die Kosten für den Landkreis nicht gestiegen seien.
Gestiegen sei hingegen die Anfrage von Schulen oder Vereinen nach Seminaren und Trainings zu Themen wie "Sexuelle Gewalt", Mobbing oder Übergriffen aller Art. Gestiegen sei auch - so die Beobachtung von Jugendamt als auch Beratungsstelle - die Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.
Von 70 im Jahr 2013 sei diese Zahl auf 96 im letzten Jahr in der Vechtaer Einrichtung am Neuen Markt 30 gestiegen, berichtete Themann.
Neu im Landkreis sei, dass alle, die als Lehrer, Erzieherin oder auch Leiter von Kindergruppen aller Art sich vor einer Meldung beim Jugendamt beraten lassen können, ob in einem konkreten Verdachtsfall eine Kindeswohlgefährdung vorliege. Kucklick: "Wir wollen keine Denunzianten, aber aufmerksame Nachbarn."
Gut nachgefragt werde die offene Sprechstunde an jedem Dienstag von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr, wohin man jederzeit ohne Anmeldung kommen kann. Weitere Infos unter 04441/8707-690.
Dietmar Kattinger, 03.07.2015