Cloppenburg . Altersverwirrte Menschen nicht mit dem zu konfrontieren, was sie nicht mehr können und wissen. Das hat Michael Schmieder am Donnerstag, 22. März, beim 20. Tag der Altenpflege in der Cloppenburger Stadthalle als oberstes Ziel im Umgang mit altersverwirrten Menschen beschrieben. Aufgabe sei es dagegen, „für deren Wohlbefinden zu sorgen“, sagte der Leiter der Schweizer Sonnweid AG im Rahmen der Veranstaltung der katholischen Altenhilfe im Oldenburger Land vor 670 Zuhörern.
Die Berücksichtigung der Demenz in der Pflegeversicherung forderte der Referent für Altenpflege beim Landes-Caritasverband, Manfred Bockhorst, in der restlos ausverkauften Stadthalle. Nach wie vor werde ein altersverwirrter Patient der Pflegestufe „Null“ zugeordnet. Lediglich ein mal pro Jahr bestehe der Anspruch auf einen Zuschuss von 460 Euro.
Deutlich wandte sich Schmieder, Leiter einer Einrichtung mit 220 Mitarbeitern und 150 Plätzen für ausschließlich altersverwirrte Patienten, gegen Sätze wie „Einem Tier würde man den Gnadenstoß geben“. „Jeder Mensch hat eine Würde und ist bedingungslos von Gott geliebt“, setzte der Schweizer dagegen.
Demenz kann laut Schmieder in drei Phasen verlaufen: Bei einer leichten bis mittleren Altersverwirrtheit werde schon mal der Arzttermin vergessen oder der Fernseher könne nicht mehr ausgeschaltet werden. Der Betroffene wende „eine Strategie des Überspielens“ an.
Er ziehe sich zurück, um Bloßstellung und Überforderung zu vermeiden. Angehörige versuchten ebenfalls, die gedanklichen Ausfälle zu vertuschen, beschrieb der Schweizer. Weiteres Kennzeichen sei, dass sich die Betroffenen nicht mehr an Regeln und Normen halten.
Mit einem gesunden Partner, der die Defizite ausgleiche, könne der oder die Altersverwirrte jedoch weiter zu Hause leben. Dass jedoch stärker Verwirrte, die gleichzeitig körperlich noch mobil sind, in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr betreut werden können, davon ist Schmieder ebenfalls überzeugt.
In einer zweiten Stufe der Altersverwirrtheit gehen die Denkfunktionen verloren, beschrieb der Referent. Autofahren könne zwar geplant, jedoch nicht mehr umgesetzt werden. „Das Defizit in dieser Phase ist, sein eigenes Defizit nicht mehr erkennen zu können“, sagte der Einrichtungsleiter.
Eine Patientin fühle sich in dieser Zeit beispielsweise 30 Jahre jünger und halte ihren Sohn für den eigenen Mann. Tendenzen der Verwahrlosung tauchen auf.
In der dritten Phase sei keine sprachliche Kommunikation mehr möglich. Das Reichen des Essens und Trinkens dauere oft Stunden und werde zur Geduldsprobe für Pflegende.
Bundesweit gibt es derzeit 1,2 Millionen Demente, erläuterte Bockhorst. Etwa 10 Prozent aller über 65-Jährigen seien betroffen – mit steigender Tendenz.
Die Lebensqualität für altersverwirrte Menschen zu erhöhen, dafür sprach sich auch die Heidelberger Pflegewissenschaftlerin Marlies Böggemann aus.
Zitat: „Sich zu schämen ist eines der Gefühle, die am meisten weh tun.“ Michael Schmieder
Dietmar Kattinger, Referent
für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 04441/8707-640
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