Vechta
/ Lohne.
Es geht heiter zu. Hier ein lockerer Spruch. Da ein
Scherz. Und das, obwohl es erst das vierte Treffen dieser fünf Männer ist. Doch
ab und an stockt das Gespräch. „Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber bei
mir ist das noch nicht wieder da“, sagt Josef*. Er sagt es so, dass man genau
hinhören muss, um ihn zu verstehen. Zu verstehen, was er meint.
Damit deutet der 69-jährige Landwirt mit der
rosanen
Gesichtsfarbe etwas an, das er außerhalb der Selbsthilfegruppe
nicht so leicht erzählen würde. Josef meint seine Potenz. Auch den anderen vier
Männern dieser neu gegründeten Selbsthilfegruppe „Männer nach Prostatakrebs“
würden Themen wie diese sonst nicht so leicht über die Lippen kommen. Ihnen,
die aus dem ganzen Landkreis kommen, aber auch aus Diepholz.
Ein an der Vorsteherdrüse erkrankter Freund hat den Endsechziger
überhaupt erst auf die Idee gebracht, seinen PSA-Wert untersuchen zu lassen. Die
Zahl, die auf eine bösartige Erkrankung der männlichen Vorsteherdrüse hinweisen
kann, „hat mir vorher überhaupt nichts gesagt“, gibt der drahtig Wirkende unumwunden
zu.
Und Josef hat Pech. Sein Wert steigt von 2,5 über 4,5 schließlich
auf 6,5 in diesem Januar. Diagnose: bösartig. Es folgt, was die Leidensgenossen
als die härteste Zeit am Ganzen bezeichnen: Die zwischen dem Moment, in dem der
Arzt sagt, was Sache ist, und der Operation.
Um solche Phasen aufzufangen haben die Lohner Urologen Jörg
Sommer und
Amjad
Azem die Selbsthilfegruppe angeregt.
Andere Betroffene könnten sich bei denen erkundigen, die das Alles schon
durchlebt haben, könnten zu einer Entscheidung finden, was für sie selbst die
beste Therapie ist. Von Bestrahlung ist an dem Abend, der ausnahmsweise im
Vechtaer
‚Haus der Caritas‘ stattfindet, die Rede, von Entfernung,
von einer Kombination der Methoden.
Dabei sei das Seelische das Schlimmste an der Erkrankung.
„Definitiv“ zögert ein jüngerer Erkrankter keinen Moment. „Ach, das Körperliche,
dat
‘ hab ich gut weggesteckt“, wiegelt auch Josef ab.
Neben dem Austausch über Informationen soll es in der neuen Selbsthilfegruppe
auch darum gehen,
dem Seelischen
Luft zu machen. Und
dazu sind die jetzigen Mitglieder gerne bereit.
Etwa darüber, dass man nach einer Operation inkontinent
sein könne und die Zahl der Einlagen von anfangs acht am Tag auch wieder auf
null zurückgehen könne – so wie bei Josef.
Und dann ist da noch von der Flasche Wein die Rede, die
man ja mal zusammen trinken könne. „Am 3. Oktober“, der Vorschlag. „Gerne, aber
dann müsst ihr mich in
Dangast
besuchen. Ich lade
Euch ein.“
Zur
Information:
Die Gruppe ‚Männer nach Prostatakrebs‘ trifft sich jeden ersten Donnerstag im
Monat um 19.30 Uhr in den Räumen des
Ludgerus
-Werkes
in Lohne. Weitere Infos bei der ‚Kontakt- und Beratungsstelle Selbsthilfe‘ des
Landes-Caritasverbandes, Karin Bockhorst, Tel. 04441/8707-0
Dietmar
Kattinger
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 04441/8707-640